Die Al­ters­vor­sor­ge muss sta­bi­li­siert und nach­hal­tig aus­ge­stal­tet wer­den

Fokus11. Februar 2019

Die Reform der Altersvorsorge ist ein zentrales Zukunftsprojekt für die Schweiz. Die AHV und das BVG müssen rasch finanziell stabilisiert und nachhaltig ausgestaltet werden.

Die Altersvorsorge steht vor grossen Herausforderungen: Die Lebenserwartung steigt, der Nachwuchs fehlt und die Anlagerenditen sinken. Nach der Ablehnung der «Altersvorsorge 2020» in der Volksabstimmung im September 2017 bleibt die Reform der Altersvorsorge zwingend und wird noch dringlicher.

Mit dem Ziel, die AHV-Renten zu sichern, das Rentenniveau zu halten und die Finanzen der AHV zu stabilisieren, hat der Bundesrat im Juni 2018 den Vorentwurf zur Stabilisierung der AHV («AHV 21») in die Vernehmlassung geschickt. Aus Sicht des SVV greifen die vorgeschlagenen Massnahmen jedoch zu wenig rasch und sind zu wenig konsequent.

Im Hinblick auf die Reform des BVG hat der Bundesrat die Sozialpartner beauftragt, bis im April/Mai 2019 eine Lösung zu erarbeiten.

Grosse Herausforderungen stehen an

Die steigende Lebenserwartung führt dazu, dass die Renten aus der staatlichen Alters- und Hinterlassenenversicherung
(AHV, 1. Säule) und der beruflichen Vorsorge (BVG, 2. Säule) immer länger ausbezahlt werden. In der AHV sinkt die Zahl der Beitragszahler pro Rentenbezüger laufend, was zu rasch wachsenden Defiziten führt. Im BVG verstärkt sich die systemfremde Umverteilung von den Berufstätigen zu den Rentenbezügern immer mehr, weil der Umwandlungssatz viel zu hoch ist.
 
Die Anlageseite ist seit mehreren Jahren geprägt durch anhaltend rekordtiefe bzw. negative Zinsen. Diese schaden der Altersvorsorge, indem sie zu einer Umverteilung von den Sparern zu den Schuldnern führen. Dazu kommt, dass längerfristig von sinkenden Anlagerenditen auszugehen ist, womit sich der Druck auf der Beitragsseite zwangsläufig zusätzlich erhöht.

Reform ist zwingend und dringend

Für den Schweizerischen Versicherungsverband SVV ist die Reform der Altersvorsorge angesichts dessen zwingend, und sie wird immer dringlicher. Die Reform kann, wie vom Bundesrat vorgesehen, in zwei Teilpaketen erfolgen. Beide müssen jedoch möglichst rasch und unter Wahrung der Gesamtsicht vorangetrieben werden. Die Reform der AHV muss per Anfang 2021, diejenige des BVG per Anfang 2022 in Kraft treten. Auf einen Abbau oder einen Ausbau ist in diesen Teilpaketen ebenso zu verzichten wie auf alle Vorschläge, die nicht zur finanziellen Stabilisierung beitragen. Die «Modernisierung» von AHV und BVG ist zurückzustellen, bis diese finanziell stabilisiert sind.

Stabilisierung der Altersvorsorge

In der AHV sind zu diesem Zweck folgende Massnahmen notwendig:

  • Referenzalter 65 für Frauen und Männer;
  • Moderate Erhöhung der Mehrwertsteuer.

 

Im BVG sind folgende Massnahmen erforderlich:

  • Senkung des Umwandlungssatzes auf 6,0 Prozent;
  • Kompensationsmassnahmen;
  • Einführung eines Beitrages zur Finanzierung des Ausgleichs von Rentenumwandlungsverlusten.

Nachhaltige Ausgestaltung der Altersvorsorge

Neben diesen Massnahmen zur Stabilisierung sind Anpassungen im Sinne der nachhaltigen Ausgestaltung von AHV und BVG unumgänglich. Eine nachhaltige und damit langfristig sichere Finanzierung bzw. Ausgestaltung der Altersvorsorge setzt voraus, dass die Parameter (Referenzalter, BVG-Mindestzinssatz, BVG-Umwandlungssatz) den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechend festgelegt werden. Der SVV unterstützt deshalb parlamentarische Vorstösse zu deren Entpolitisierung.

Sicherheit für KMU

Die im SVV vertretenen Lebensversicherer decken die Risiken von 1,851 Millionen Personen (und damit von fast jeder zweiten Person, die in der beruflichen Vorsorge versichert ist) ab. Sie sind verlässliche Partner für rund 180’000 kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Diese können aus der umfassenden Angebotspalette der Lebensversicherer die für sie passenden Lösungen wählen.

Die Versicherer stehen im Wettbewerb untereinander und mit anderen Vorsorgeanbietern. Der Wettbewerb funktioniert. Er zeigt sich u.a. in unterschiedlichen Kapitalerträgen, Risikoprämien und Überschüssen.

Rahmenbedingungen für die Kollektivlebensversicherung

Für die Kollektivlebensversicherung schliesslich kommt erschwerend hinzu, dass der Schweizer Solvenztest (SST) die Anforderungen an die Bildung und Erhaltung des Solvenzkapitals massiv verschärft hat. Eine weitere Verschlechterung der Rahmenbedingungen wäre nicht tragbar, weshalb im Rahmen der BVG-Revision auf zusätzliche Restriktionen für die Kollektivlebensversicherung in jedem Fall zu verzichten ist.