Die Al­ters­vor­sor­ge muss sta­bi­li­siert und nach­hal­tig aus­ge­stal­tet wer­den

Fokus31. August 2020

Die Reform der Altersvorsorge ist ein zentrales Zukunftsprojekt für die Schweiz. AHV und BVG müssen rasch finanziell stabilisiert und nachhaltig ausgestaltet werden.

Die Altersvorsorge steht vor grossen Herausforderungen: Die Lebenserwartung steigt, der Nachwuchs fehlt und die Anlagerenditen sinken. Nach dem «Nein» zur «Altersvorsorge 2020» in der Volksabstimmung vom September 2017 und dem «Ja» zur Steuer-AHV-Reform (STAF) vom Mai 2019 bleibt die Reform der Altersvorsorge zwingend und dringend.

Am 28. August 2019 hat der Bundesrat die Botschaft zur Reform «AHV 21» an das Parlament überwiesen. Die Botschaft weicht kaum vom Vernehmlassungsentwurf vom Juni 2018 ab. Sie wird von den bürgerlichen Parteien und Wirtschaftsverbänden mehrheitlich kritisch beurteilt. Die Reform wird in der Herbstsession 2020 vom Ständerat als Erstrat behandelt.

Die Vernehmlassung zur Reform der beruflichen Vorsorge dauerte vom 13. Dezember 2019 bis zum 29. Mai 2020. Die Vernehmlassungsvorlage entspricht dem Mehrheitsvorschlag aus dem Sozialpartnerdialog, den der Schweizerische Gewerkschaftsbund, Travail.Suisse und der Schweizerische Arbeitgeberverband am 2. Juli 2019 gemeinsam präsentiert hatten. Die Botschaft soll bis zur Wintersession 2020 der Eidg. Räte verabschiedet werden.

Grosse Herausforderungen stehen an

Die steigende Lebenserwartung führt dazu, dass die Renten aus der staatlichen Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV, 1. Säule) und der beruflichen Vorsorge (BVG, 2. Säule) immer länger ausbezahlt werden. In der AHV sinkt die Zahl der Beitragszahler pro Rentenbezüger laufend, was zu rasch wachsenden Defiziten führt. Im BVG erfolgt eine massive systemfremde Umverteilung von den Berufstätigen zu den Rentenbezügern, weil der Umwandlungssatz viel zu hoch ist und die Anlagerenditen gesunken sind.

Die Kapitalanlagen werden seit mehreren Jahren geprägt durch anhaltend rekordtiefe bzw. negative Zinsen. Es ist auch weiterhin von sinkenden Anlagerenditen auszugehen, womit sich der Druck auf der Beitragsseite zusätzlich erhöht.

Reform ist zwingend und dringend

Für den Schweizerischen Versicherungsverband SVV ist die Reform der Altersvorsorge angesichts dessen zwingend und dringend. Sie kann, wie vom Bundesrat vorgesehen, in zwei separaten Reformen erfolgen. Die Revisionen von AHV und BVG müssen dabei möglichst rasch und unter Wahrung der Gesamtsicht vorangetrieben werden und per Anfang 2022 in Kraft treten. Ziel der Revisionen ist die Stabilisierung der Altersvorsorge. Soweit mit dieser Zielsetzung vereinbar, können und sollen auch Anpassungen an die veränderten Bedürfnisse vorgenommen werden. Auf einen Abbau oder einen Ausbau ist hingegen in beiden Reformvorhaben zu verzichten.

Stabilisierung der Altersvorsorge

In der AHV sind zu diesem Zweck folgende Massnahmen notwendig:

  • Referenzrücktrittsalter 65 für Frauen und Männer
  • Moderate Erhöhung der Mehrwertsteuer

 

Im BVG sind folgende Massnahmen erforderlich:

  • Senkung des Umwandlungssatzes auf maximal 6,0 Prozent
  • Kompensationsmassnahmen
  • Einführung eines Beitrages zur Finanzierung des Ausgleichs von Rentenumwandlungsverlusten

Nachhaltige Ausgestaltung der Altersvorsorge

Über die Stabilisierung (und teilweise Modernisierung) hinaus sind in einem nächsten Schritt Anpassungen im Sinne der nachhaltigen Ausgestaltung von AHV und BVG unumgänglich. Eine nachhaltige und damit langfristig sichere Finanzierung bzw. Ausgestaltung der Altersvorsorge setzt voraus, dass die Parameter (Referenzrücktrittsalter, BVG-Umwandlungssatz, BVG-Mindestzinssatz) den realen Gegebenheiten entsprechend festgelegt werden. Der SVV unterstützt deshalb parlamentarische Vorstösse zur Anbindung dieser Parameter an die reale Entwicklung.

Rahmenbedingungen für Kollektivlebensversicherungen

Für die Kollektivlebensversicherung kommt erschwerend hinzu, dass der Schweizer Solvenztest (SST) die Anforderungen an die Bildung und Erhaltung des Solvenzkapitals massiv verschärft hat. Die zu hohen Kapitalanforderungen führen dazu, dass Garantieleistungen und Risikoabsicherungen zu teuer werden und deshalb nicht mehr oder nur noch eingeschränkt angeboten werden. Wer den entsprechenden Risiken ausgesetzt ist, kann sich nicht mehr bedarfsgerecht absichern – oder die Risiken müssen vom Staat getragen werden. Das steht in krassem Widerspruch zur bisherigen und in der Gesellschaft breit abgestützten Ausgestaltung der beruflichen (und privaten) Vorsorge. Eine weitere Verschlechterung der Rahmenbedingungen wäre nicht tragbar, weshalb im Rahmen der BVG-Revision auf zusätzliche Restriktionen für die Kollektivlebensversicherung in jedem Fall zu verzichten ist.

Sicherheit für KMU

Die im SVV vertretenen Lebensversicherer verwalten rund ein Fünftel aller Vorsorgegelder in der Gesamthöhe von 1083 Milliarden Franken, versichern knapp die Hälfte der 4,25 Millionen aktiven Versicherten (Vollversicherung und Risikoversicherung) und bedienen fast ein Viertel der 1,16 Millionen Rentner (Quelle: Bericht über den Versicherungsmarkt 2019 der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA vom 10. September 2020).

Die Lebensversicherer bieten den KMU eine umfassende Angebotspalette. Sie stehen im Wettbewerb untereinander und mit anderen Vorsorgeanbietern. Der Wettbewerb funktioniert. Er zeigt sich u.a. in unterschiedlichen Kapitalerträgen, Risikoprämien und Überschüssen.

Strategie 2020–2024 | Vorsorge

Auch in Zukunft zeigen Kompetenz, Erfahrung und der volkswirtschaftliche Beitrag in der Vorsorge die Schlüsselrolle der Privat- und Krankenzusatzversicherer auf. Der SVV ist bestrebt, diese Attribute der Branche zu unterstreichen.

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