Die Al­ters­vor­sor­ge muss sta­bi­li­siert und nach­hal­tig aus­ge­stal­tet wer­den

Fokus23. August 2021

Die Reform der Altersvorsorge ist zentral für die Zukunft der Schweiz. AHV und BVG müssen in einem ersten Schritt finanziell stabilisiert und in einem zweiten Schritt nachhaltig ausgestaltet werden.

Die Altersvorsorge steht vor grossen Herausforderungen: Die Lebenserwartung steigt, der Nachwuchs fehlt und die Anlagerenditen sinken. Nach dem «Nein» zur «Altersvorsorge 2020» in der Volksabstimmung vom September 2017 und dem «Ja» zur Steuer-AHV-Reform (STAF) vom Mai 2019 bleibt die Reform der Altersvorsorge zwingend und dringend.

 

Aktuelle Reformprojekte

Am 28. August 2019 hat der Bundesrat die Botschaft zur Stabilisierung der AHV («AHV 21») an das Parlament überwiesen. Das Geschäft befindet sich aktuell im Differenzbereinigungsverfahren zwischen dem Stände- und Nationalrat.

Am 25. November 2020 hat der Bundesrat die Botschaft zur Reform der beruflichen Vorsorge («BVG 21») verabschiedet. Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrats (SGK-N) hat zwischenzeitlich die Detailberatung der Vorlage aufgenommen.

 

Grosse Herausforderungen stehen an

Die gestiegene Lebenserwartung führt dazu, dass die Renten aus der staatlichen Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV, erste Säule) und der beruflichen Vorsorge (BVG, zweite Säule) immer länger ausbezahlt werden. In der AHV sinkt die Zahl der Beitragszahler pro Rentenbezüger laufend, was zu rasch wachsenden Defiziten führt. Im BVG erfolgt eine massive systemfremde Umverteilung von den Berufstätigen zu den Rentenbezügern/-innen, weil der Umwandlungssatz viel zu hoch ist und die Anlagerenditen gesunken sind.

Die Kapitalanlagen werden seit mehreren Jahren geprägt durch anhaltend rekordtiefe beziehungsweise negative Zinsen. Es ist auch weiterhin von sinkenden Anlagerenditen auszugehen, womit sich der Druck auf der Beitragsseite zusätzlich erhöht.

 

Reform ist zwingend und dringend

Für den Schweizerischen Versicherungsverband SVV ist die Reform der Altersvorsorge angesichts dessen zwingend und dringend. Die laufenden Revisionen von AHV und BVG müssen dabei möglichst rasch und unter Wahrung der Gesamtsicht vorangetrieben werden und per Anfang 2023 in Kraft treten. Ziel dieser beiden Revisionen ist die Stabilisierung der Altersvorsorge. Soweit mit dieser Zielsetzung vereinbar, können auch Anpassungen im Sinne der Modernisierung vorgenommen werden. Auf einen generellen Ab- oder einen Ausbau ist hingegen in beiden Reformvorhaben zu verzichten.

 

Erster Schritt: Stabilisierung der Altersvorsorge

In der AHV sind zu diesem Zweck folgende Massnahmen notwendig:

  • Referenzrücktrittsalter 65 für Frauen und Männer
  • Moderate Erhöhung der Mehrwertsteuer

 

Im BVG sind folgende Massnahmen erforderlich:

  • Senkung des Umwandlungssatzes auf maximal 6,0 Prozent
  • Kompensationsmassnahmen
  • Einführung eines Beitrags zur Finanzierung des Ausgleichs von Rentenumwandlungsverlusten

 

Zweiter Schritt: nachhaltige Ausgestaltung der Altersvorsorge

Über die Stabilisierung (und teilweise Modernisierung) hinaus sind in einem zweiten Schritt Anpassungen im Sinne der nachhaltigen Ausgestaltung von AHV und BVG unumgänglich. Eine nachhaltige und damit langfristig sichere Finanzierung bzw. Ausgestaltung der Altersvorsorge setzt voraus, dass die Parameter (Referenzrücktrittsalter, BVG-Umwandlungssatz, BVG-Mindestzinssatz) den realen Gegebenheiten entsprechend festgelegt werden. Der SVV unterstützt deshalb parlamentarische Vorstösse zur Anbindung dieser Parameter an die reale Entwicklung.

 

Akzeptable Rahmenbedingungen für die Kollektivlebens-versicherung

Für die Kollektivlebensversicherung kommt erschwerend hinzu, dass der Schweizer Solvenztest (SST) die Anforderungen an die Bildung und Erhaltung des Solvenzkapitals massiv verschärft hat. Die zu hohen Kapitalanforderungen führen dazu, dass Garantieleistungen und Risikoabsicherungen zu teuer werden und deshalb nicht mehr oder nur noch eingeschränkt angeboten werden. Wer den entsprechenden Risiken ausgesetzt ist, kann sich nicht mehr bedarfsgerecht absichern – oder die Risiken müssen vom Staat getragen werden. Das steht in krassem Widerspruch zur bisherigen und in der Gesellschaft breit abgestützten Ausgestaltung der beruflichen (und privaten) Vorsorge. Eine weitere Verschlechterung der Rahmenbedingungen wäre nicht tragbar, weshalb im Rahmen der BVG-Revision(en) auf zusätzliche Restriktionen für die Kollektivlebensversicherung in jedem Fall zu verzichten ist.

 

Sicherheit für KMU

Die privaten Lebensversicherer verwalten rund ein Fünftel aller Vorsorgegelder in der Gesamthöhe von rund 1083 Milliarden Schweizer Franken, versichern knapp die Hälfte der 4,25 Millionen aktiven Versicherten in der Schweiz (inklusive reiner Risikoversicherter) und bedienen fast ein Viertel der 1,16 Millionen Pensionierten (Quelle: Finma, Daten zur Betriebsrechnung Berufliche Vorsorge 2019, 10. September 2020).

Die Lebensversicherer bieten den KMU eine umfassende Angebotspalette. Sie stehen im Wettbewerb untereinander und mit anderen Vorsorgeanbietern. Der Wettbewerb funktioniert. Er zeigt sich u. a. in unterschiedlichen Kapitalerträgen, Risikoprämien und Überschüssen.

 

Strategie 2020–2024 | Vorsorge

Auch in Zukunft zeigen Kompetenz, Erfahrung und der volkswirtschaftliche Beitrag in der Vorsorge die Schlüsselrolle der Privat- und Krankenzusatzversicherer auf. Der SVV ist bestrebt, diese Attribute der Branche zu unterstreichen.

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