Die Altersvorsorge muss reformiert werden

Fokus22. Mai 2018

Angesichts der steigenden Lebenserwartung muss die Altersvorsorge zwingend reformiert werden. Die Reform der Altersvorsorge ist deshalb ein zentrales Zukunftsprojekt für die Schweiz – auch und gerade nach der Ablehnung der Reform «Altersvorsorge 2020» im September 2017.

Die Altersvorsorge steht vor grossen Herausforderungen: Die Lebenserwartung steigt, der Nachwuchs fehlt und die Anlagerenditen sinken. Nach der Ablehnung der «Altersvorsorge 2020» in der Volksabstimmung im September 2017 bleibt die Reform der Altersvorsorge zwingend und dringend. Der Bundesrat hat deshalb bereits Ende 2017 über die Stossrichtung und im März 2018 über die Eckwerte einer neuen Reform entschieden. Deren übergeordnetes Ziel ist es, die Altersvorsorge mittelfristig finanziell zu stabilisieren und das Rentenniveau zu erhalten.

Grosse Herausforderungen stehen an

Die steigende Lebenserwartung führt dazu, dass die Renten aus der staatlichen Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV, 1. Säule) und der beruflichen Vorsorge (Pensionskassen, 2. Säule) immer länger ausbezahlt werden. Da in der AHV die Anzahl der Rentenbezüger prozentual wesentlich stärker steigt als die der Beitragszahler, kommt es rasch zu zunehmenden Defiziten. Die systemfremde Umverteilung von den Berufstätigen zu den Rentenbezügern verstärkt sich, weil auch bei den Pensionskassen die Anlagerenditen langfristig sinken.

Reform ist zwingend und dringend

Für den Schweizerischen Versicherungsverband SVV ist die Reform der Altersvorsorge deshalb weiterhin zwingend und dringend.

Er unterstützt ein Vorgehen in zwei Schritten.

  • In einem ersten Schritt sind AHV und Pensionskassen mittelfristig finanziell zu stabilisieren und das Rentenniveau zu erhalten. Das kann, wie vom Bundesrat vorgesehen, in zwei separaten Teilpaketen erfolgen. Diese müssen jedoch parallel vorangetrieben werden, damit die Gesamtsicht gewährleistet bleibt. Das Leistungsniveau und die Gewichte der beiden Säulen sind dabei beizubehalten. Auf einen Abbau, aber auch auf einen Ausbau ist zu verzichten.
  • In einem zweiten Schritt ist die Altersvorsorge nachhaltig auszugestalten.

In beiden Schritten gilt die Konzentration auf das Wesentliche: Was nicht dazu beiträgt, das übergeordnete Ziel der Reform zu erreichen, ist fallenzulassen.

Schritt I: System mittelfristig stabilisieren und Rentenniveau erhalten

In der AHV sind folgende Massnahmen aus der Reform «Altersvorsorge 2020» wieder aufzunehmen:

  • Referenzalter 65 für Frauen und Männer
  • sozialer Ausgleich der Erhöhung des Rentenalters der Frauen
  • Zusatzfinanzierung für die AHV

Im BVG stehen folgende Massnahmen im Vordergrund:

  • Senkung des Umwandlungssatzes auf 6,0 Prozent
  • Kompensationsmassnahmen
  • Einführung eines Umwandlungssatz-Garantiebeitrages

Schritt II: Altersvorsorge nachhaltig ausgestalten

Eine nachhaltige und damith langfristig stabile Finanzierung bzw. Ausgestaltung der Altersvorsorge setzt voraus, dass die Parameter den jeweils aktuellen Realitäten entsprechend festgelegt werden. Dies bedingt die Entpolitisierung der Parameter. Der SVV begrüsst die entsprechenden parlamentarischen Vorstösse.

Sicherheit für KMU

Die Lebensversicherer, die im SVV vertreten sind, sind verlässliche Partner mit der Vollversicherung für über 180’000 KMU mit über 1 Million Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und mit der Risikoversicherung für rund 70’000 KMU mit 700’000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die KMU sind vielfach auf die Garantien der Versicherer angewiesen. Sie könnten die Risiken aus der beruflichen Vorsorge nicht selber tragen.

Die Versicherer stehen im Wettbewerb untereinander und mit anderen Vorsorgeanbietern. Der Wettbewerb funktioniert. Er zeigt sich u.a. in unterschiedlichen Kapitalerträgen, Risikoprämien und Überschüssen.

Akzeptable Rahmenbedingungen zwingend

Bei der Reform der Altersvorsorge sind auch die schwierigen Rahmenbedingungen für die Kollektivlebensversicherung zu beachten. Dazu gehören insbesondere

  • die anhaltend tiefen Zinsen, die zu sinkenden Kapitalerträgen führen
  • der Schweizer Solvenztest SST, der die Anforderungen an die Bildung und Erhaltung des Solvenzkapitals massiv verschärft hat

Auf zusätzliche Restriktionen für die Kollektivlebensversicherung ist deshalb zu verzichten. Eine weitere Verschlechterung der Rahmenbedingungen wäre nicht tragbar und hätte wohl eine weitere Verknappung des Angebots in der Kollektivlebensversicherung und insbesondere bei der Vollversicherung zur Folge.