Die 5 wich­tigs­ten Punk­te zur Ver­rech­nungs­steu­er­re­form

Listicle13. September 2022

Am 25. September 2022 befindet das Schweizer Stimmvolk über die Abschaffung der Verrechnungssteuer auf Zinserträge inländischer Obligationen. Der Schweizerische Versicherungsverband SVV begrüsst die Reform. Weshalb die Reform nötig ist, wer profitiert und wie die Reform den Wirtschaftsstandort Schweiz stärkt.

Für ein optimal funktionierendes Wirtschaftssystem braucht es nebst qualifizierten Arbeitskräften auch einen effizienten Kapitalmarkt. Denn jede Investition von Unternehmen muss mit Kapital finanziert werden. Bei der Finanzierung hat man die Wahl zwischen Eigen- und Fremdfinanzierung. Die Abstimmung im September 2022 betrifft den Bereich der Fremdfinanzierung.

 

1. Deshalb braucht es die Reform

Die Entwicklung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass die Schweizer Verrechnungssteuer sich insbesondere im Anleihenmarkt negativ auswirkt.

Konkret: Schweizer Unternehmen sind heute gezwungen, ins Ausland auszuweichen, um Obligationen zu begeben, weil eine Finanzierung über den Schweizer Kapitalmarkt für Kapitalgeber unattraktiv geworden ist. Der im internationalen Vergleich hohe Schweizer Verrechnungssteuersatz von 35 Prozent in Kombination mit dem langwierigen und komplizierten Rückforderungsverfahren wirkt sich negativ auf die Volkswirtschaft aus.

Gut zu wissen: Von der aktuellen Situation profitieren Konkurrenzstandorte wie Luxemburg, London oder Singapur. In den vergangenen 12 Jahren sind rund 60 Prozent des Obligationenvolumens ins Ausland abgewandert. Dies hat dazu geführt, dass der hiesige Fremdkapitalmarkt stark unterentwickelt ist. Mit der Reform kann die Schweiz das ins Ausland verlorene Anleihengeschäft sowie die damit verbundene Wertschöpfung zurückholen.

 

2. Darum geht es bei der Abstimmung

Es geht um eine Modernisierung der Verrechnungssteuer, welche auf den Bereich Obligationen fokussiert und lediglich 5 Prozent der Verrechnungssteuereinnahmen tangiert.

Konkret: Mit der Reform sollen Zinserträge auf neu herausgegebenen Schweizer Obligationen und Obligationenfonds von der Verrechnungssteuer befreit werden. Der für die Schweiz wesentlich einträglichere Teil, nämlich die Verrechnungssteuer auf Dividenden, der den Grossteil der heutigen Verrechnungssteuererträge ausmacht, bleibt von der Reform unberührt.

Gut zu wissen: Schweizer Obligationen werden hauptsächlich von institutionellen Anlegern erworben. Es handelt sich um ein globales Geschäft.

 

3. Wer von der Reform profitiert

Profitieren wird der Standort Schweiz und damit alle Schweizerinnen und Schweizer, indem zukünftig wieder vermehrt Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen in der Schweiz statt im Ausland generiert werden.

Konkret: Von der Reform profitieren werden auch weitere Wirtschaftszweige, nicht zuletzt die Steuerämter. Und wenn es dem Wirtschaftsstandort gut geht, kommt dies auch den Bürgerinnen und Bürgern zugute.

Gut zu wissen: Die Schweiz ist mit ihrem starken Finanzplatz, ihrer modernen Infrastruktur und ihren qualifizierten Arbeitskräften bestens aufgestellt, das Anleihengeschäft zu Hause zu betreiben.

 

4. Wie die Reform den Wirtschaftsstandort Schweiz stärkt

Die Schweiz ist einer der wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsstandorte der Welt. Eine Voraussetzung dafür ist ein attraktives Steuersystem, das mit der Zeit geht.

Konkret: Natürlich tragen die gute Infrastruktur, die hohe Innovationskraft, das Bildungs- und Gesundheitssystem sowie qualifizierte Arbeitskräfte massgeblich zum positiven Gesamtbild des Standorts Schweiz bei. Ein kompetitives und modernes Steuersystem ist jedoch ebenso wichtig, da Unternehmen bei ihren Investitionsentscheidungen nicht zuletzt die steuerlichen Rahmenbedingungen be-rücksichtigen. Hier spielt der globale Standortwettbewerb.

Gut zu wissen: Im Bereich der Gewinnsteuer wird die Einführung der OECD-Mindeststeuer den Handlungsspielraum der Schweiz im internationalen Wettbewerb stark einschränken. Bei der Verrechnungssteuer kann die nationale Gesetzgebung noch frei ausgestaltet werden. Die Schweiz sollte deshalb Freiräume wie diese bei der Modernisierung der Schweizer Verrechnungssteuer gezielt nutzen, um sich zu differenzieren und international wettbewerbsfähiger zu werden.

 

5. Deshalb ist die Reform wichtig für Privatversicherer

Versicherungsunternehmen sind aufgrund ihrer Geschäftstätigkeit auf einen gut funktionierenden und international wettbewerbsfähigen Anleihenmarkt angewiesen.

Konkret: Privatversicherer benötigen einen effizienten und schnellen Zugang zu in- wie ausländischem Kapital. Die Verrechnungssteuerreform schafft dafür beste Voraussetzungen.


 

Kommentar von Urs Arbter in Finews: Verrechnungssteuer-Reform: Gegner sind auf einem Auge blind