Ver­si­che­rer ge­stal­ten die Ar­beits­welt von mor­gen

Fokus09. März 2021

Die Arbeitswelt verändert sich in hohem Tempo. Digitalisierung und Transformation sind dabei Treiber. Externe Faktoren wie die Coronapandemie beschleunigen die Entwicklung zusätzlich. Basierend auf den bisherigen Erkenntnissen aus der Covid-19-Krise hat der SVV zusammen mit seinen Mitgliedgesellschaften zukünftige Handlungsfelder für die Arbeitswelt von morgen identifiziert. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen sich wandeln, damit neue Arbeitsformen Erfolg haben können.

Nicht erst seit der Coronapandemie wird das Bedürfnis nach flexiblen Arbeitsformen immer grösser. Sowohl Arbeitgebende wie auch Arbeitnehmende lernen die Vorzüge des ortsunabhängigen Arbeitens und Arbeitsformen wie Homeoffice, Remote/Flex Working und Split-Office immer mehr zu schätzen. Ortsunabhängiges Arbeiten leistet einen wichtigen Beitrag an nachhaltige Mobilität, indem weniger gependelt oder gereist und damit der ökologische Fussabdruck verkleinert wird. Neben den Arbeitsformen verändert sich auch die Art, wie sich Arbeitsverhältnisse entwickeln (z. B. «Plattformarbeit», Vergütungsstrategien). Um diese neuen und flexiblen Arbeitsweisen erfolgreich umzusetzen und Effizienz und Effektivität beizubehalten, sind die technische Infrastruktur und das Verständnis der Mitarbeitenden für deren Nutzung ein Erfolgstreiber. Damit geht eine verstärkte Sensibilisierung für das Thema Cybersicherheit einher. All dies hat Auswirkungen auf die Aus- und Weiterbildungsangebote, die sich an die veränderten Anforderungen anpassen müssen. Insbesondere Mitarbeitende mit Führungsverantwortung stehen vor neuen Herausforderungen: Das Führen von virtuellen oder hybriden Teams verlangt andere Fähigkeiten als das Führen vor Ort.

Auch während der Krise nehmen die Versicherungsgesellschaften ihre Arbeitgeberverantwortung wahr. Dank den Investitionen in die Digitalisierung konnte die gesamte Branche innert kürzester Zeit ihre Arbeit von zu Hause aus erledigen. Vor Ort gibt es in den Gesellschaften klare Schutzkonzepte und umgesetzte Schutzmassnahmen, wie das Zurverfügungstellen von Hygienemitteln, zusätzlicher Schutz für besonders gefährdete Mitarbeitende, Reduktion der Geschäftsreisen auf das Minimum und Durchführung von Veranstaltungen nur unter Einhaltung der Abstands- und Maskenregeln oder virtuell. Vorgesetzte tauschen sich regelmässig mit ihren Mitarbeitenden aus und erkundigen sich nach deren Wohlbefinden insbesondere im Homeoffice. Dies gilt auch für eine Gruppe von Mitarbeitenden, die von der Coronapandemie speziell betroffen ist: die Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger. Hier haben die Versicherer aktiv in die Ausbildung investiert, indem sie das Lehrstellenangebot erhalten oder sogar ausgebaut und die Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger so weit wie möglich weiterbeschäftigt haben.

Jedoch bleiben Herausforderungen insbesondere bei längerfristigem Homeoffice bestehen. Es stellt sich die Frage, ob und wie gut es gelingen wird, neue Mitarbeitende ins Unternehmen zu integrieren, ein Gefühl der Betriebszugehörigkeit zu schaffen und sie zu ihrer vollen Leistungsfähigkeit zu motivieren. Wie funktionieren agile Teams, wenn sie sich über längere Zeit nicht sehen, und wie kann die Qualität des Outputs bei der Bearbeitung von bereichsübergreifenden Thematiken erhalten bleiben? Wie die Unternehmenskultur und Führung auf Distanz langfristig die geforderte Produktivität ermöglichen, bleibt eine der grossen Herausforderungen. Die Gesellschaften in der Assekuranz wollen ihre Verantwortung als Arbeitgebende wahrnehmen. Die Erkenntnisse, insbesondere aus dem Jahr 2020 und den Herausforderungen aufgrund der Krise, zeigen, dass Handlungsbedarf in verschiedenen Bereichen besteht.

Die Gesellschaften überdenken Zusammenarbeit, Führung und Unternehmenskultur und gestalten sie neu.

Digitales und ortsunabhängiges Arbeiten ergänzen die herkömmlichen Arbeitsweisen

Digitales und ortsunabhängiges Arbeiten sollen anerkannt und aktiv vorgelebt werden. Die Unternehmens- und Vertrauenskultur der Versicherungsgesellschaften bezüglich Flex Work und weiterer mobiler Arbeitsmodelle ist wichtig. Das Führungsverständnis muss sich wandeln und sich an die veränderten Arbeitsformen anpassen.

Der SVV regt eine Anpassung des Arbeitsgesetzes an, z. B. im Bereich Ruhezeiten, Nacht- und Sonntagsarbeiten.

Das aktuelle Arbeitsgesetz ist nicht mehr zeitgemäss und wird den veränderten Bedürfnissen nicht gerecht

Der gesetzliche Rahmen ist eines der grössten Handlungsfelder. Die Versicherungsbranche ist sich einig, dass das aktuelle Arbeitsgesetz nicht mehr den heutigen Bedürfnissen entspricht. Verschiedene Flexibilisierungen (wie z. B. Ruhezeiten, Nacht- und Sonntagsarbeitsverbot sowie eine vertrauensbasierte Arbeitszeiterfassung) sind wünschenswert. Ausserdem bringt das ortsunabhängige Arbeiten weitere rechtliche Aspekte mit sich, welche geklärt werden müssen.

Der SVV propagiert eine Optimierung und Vereinfachung der internationalen Rahmenbedingungen, um flexible Arbeitsformen zu fördern.

Die heutigen internationalen Rahmenbedingungen legen flexiblen Arbeitsformen viele Stolpersteine in den Weg

Diverse internationale Rahmenbedingungen (z. B. regulatorische, steuerliche und sozialversicherungsrechtliche) bedürfen für die Arbeitswelt von morgen dringend einer Optimierung. Dafür braucht es international koordinierte Regelungen und insbesondere Vereinfachungen, um die zahlreichen heutigen Stolpersteine aus dem Weg zu räumen.

Der SVV eruiert die notwendigen Skills und entwickelt gemeinsam mit Bildungspartnern Lösungen.

Die neuen Skills, die in der Assekuranz benötigt werden, verlangen nach veränderten Aus- und Weiterbildungsangeboten

In Zusammenhang mit der Modernisierung der Arbeitswelt stellt sich die Frage, welche Kompetenzen und Skills notwendig sind, um in der neuen Arbeitswelt erfolgreich zu operieren. Hierzu führt der SVV in Zusammenarbeit mit den Versicherungsgesellschaften die Studie «Skills der Zukunft» durch. Das Jahr 2020 hat gezeigt, dass sich das Skill-Set weiter verändert hat. Mitarbeitende haben in Themen gearbeitet, in denen sie vorher nicht tätig waren, und man ist viel schneller teamübergreifend für Projekte zusammengekommen als zuvor.

Die Gesellschaften unterstützen ihre Mitarbeitenden bei Zeitmanagement und Erreichen der Work-Life-Balance, weil dies für leistungsfähige und motivierte Mitarbeitende unabdingbar ist.

Der Gesundheitsschutz der Mitarbeitenden ist zentral

Es ist absolut zentral, dass die Versicherungsgesellschaften als Arbeitgebende den Schutz der Gesundheit ihrer Mitarbeitenden in diesem neuen, veränderten und sehr anspruchsvollen Umfeld immer im Fokus haben und sie dabei eng begleiten und unterstützen. Denn Themen wie Zeitmanagement im Homeoffice, permanente Erreichbarkeit und täglich eine hohe Anzahl an Video-Calls drohen die Work-Life-Balance der Mitarbeitenden zu verändern und können Einfluss auf ihre Gesundheit haben. Mögliche Handlungsfelder und Ansatzpunkte dazu sind beispielsweise die Schaffung von Tagesstrukturen, die Schulung der Führungskräfte, die Begleitung und Unterstützung der Mitarbeitenden durch ein betriebliches Gesundheitsmanagement, die Schaffung von mehr finanziell tragbaren Krippenplätzen zur Entlastung der Eltern, die Einführung bewusster Ruhezeiten und regelmässige Pausen. So kann die Gesundheit der Mitarbeitenden gefördert werden, was sich positiv auf den Erfolg der Versicherungsgesellschaften auswirkt.