Der Kli­ma­wan­del er­for­dert ein Um­den­ken

Fokus20. Dezember 2021

Naturkatastrophen können immense Schäden verursachen. Es liegt deshalb im Interesse der Versicherungen, die Umwelt langfristig zu erhalten und so die Umweltrisiken und deren potenziellen finanziellen Folgen möglichst gering zu halten.

Die Klimaveränderung erhöht die Umweltrisiken massiv. Naturkatastrophen können immense materielle Schäden verursachen – nicht nur in fernen Ländern, sondern auch in der Schweiz. Der Bericht des National Centre for Climate Services zu den Klimaszenarien im Jahr 2060 zeigt für die Schweiz grosse Veränderungen auf. So wird erwartet, dass die Sommer trockener werden, Hitzetage sich häufen, jedoch gleichzeitig die Starkniederschläge zunehmen. Im Winter wird deutlich weniger Schnee vorausgesagt. Dass Veränderungen bereits stattfinden, zeigen die Überschwemmungen der vergangenen Jahre in der Zentralschweiz, in der Romandie und im Tessin deutlich. Der Global Risk Report 2021 bestätigt: Der Klimawandel und seine Folgen stellen grosse Risiken für die globale Wirtschaft dar. Eine weitreichende und wirksame Klimapolitik ist deshalb unumgänglich.

Klimapolitik – Ja zum CO2-Gesetz und zum Gegenentwurf zur Gletscher-Initiative

Der SVV begrüsst das Pariser Abkommen als umfassend und zielführend. Daraus ableitend unterstützte der SVV die Totalrevision des CO2-Gesetzes wie auch das im Gesetz vorgesehene nationale Gesamtziel, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 50 Prozent gegenüber 1990 zu vermindern. Das im Gesetz formulierte Inlandziel ist aus Sicht des SVV ein pragmatischer Ansatz, wie das 50-Prozent-Gesamtziel erreicht werden kann. Emissionsreduktionen im Ausland werden auch mittelfristig kostengünstiger umgesetzt werden können als diejenigen im Inland. Gleichwohl ist es zentral, dass die Schweiz ihre Verantwortung wahrnimmt und sich zu Emissionsreduktionszielen im Inland verpflichtet. Deshalb erachtet der SVV die Inlandziele als Minimalziele, die sich in der Tendenz erhöhen sollten, auf keinen Fall aber verringern. Der SVV erkennt die Risiken, die durch den Klimawandel hervorgerufen werden, und steht deshalb für eine weitreichende Klimapolitik und die wirksame Reduktion der Treibhausgasemissionen ein. Aus diesem Grund bedauert der SVV die Ablehnung des Gesetzes durch die Bevölkerung und fordert den Bundesrat auf, möglichst schnelle einen neuen Vorschlag vorzulegen.

Aktuell ist die Volksinitiative «Für ein gesundes Klima (Gletscher-Initiative)» hängig. Sie verlangt, dass die Schweiz bis 2050 netto null Treibhausgasemissionen anstrebt. Ab diesem Zeitpunkt sollen die fossilen Energieträger ganz verboten werden. Zudem will sie CO2-Kompensationen lediglich mittels Senkungen im Inland zulassen. Der Bundesrat hat am
11. August 2021 der Gletscher-Initiative einen direkten Gegenentwurf gegenübergestellt. Dieser verfolgt dasselbe Ziel wie die Volksinitiative «Netto-Null Treibhausgasemissionen in der Schweiz bis 2050», ohne ein Verbot der fossilen Energieträger ab 2050 oder ein grundsätzliches Verbot der Senkungen im Ausland. Der SVV unterstützt das Anliegen der Gletscher-Initiative. Die Initiative geht in der Umsetzung jedoch sehr weit, deshalb begrüsst der SVV diesen direkten Gegenentwurf, der die wichtigsten Anliegen der Initiative aufnimmt.

 

Elementarschäden – grösseres Schadenpotenzial

Die Schweizer Bevölkerung und die Schweizer Wirtschaft sind einer Reihe von Naturgefahren ausgesetzt. Diese können zu Todesfällen, Verletzungen und grossem wirtschaftlichem Schaden führen. Allerdings verfügt die Schweiz auch über eine flächendeckende Elementarschadenversicherung: Alle Versicherungen, die in der Schweiz eine Feuerversicherung anbieten, müssen gleichzeitig auch die Elementarrisiken in die Versicherung einschliessen. Die Klimaveränderung mit ihren neuen Wetterkonstellationen sowie die Erhöhung und Konzentration der versicherten Werte steigern das Schadenpotenzial. Umso wichtiger ist es, eine gut funktionierende Elementarschadenversicherung anzubieten und gleichzeitig eine weitsichtige Klimapolitik zu betreiben.

 

Naturgefahren gemeinsam begegnen

Im internationalen Vergleich verfügt die Schweiz über einen hervorragenden Schutz vor den Folgen von Naturgefahren. Er funktioniert nach dem Prinzip der Solidarität. Da diese Schadenereignisse mutmasslich in Zukunft jedoch zunehmen dürften, investieren bereits jetzt viele Versicherer in Präventionsmassnahmen, zum Beispiel im Rahmen von Sensibilisierungskampagnen, die der Bevölkerung Verhaltensweisen zum eigenen Schutz aufzeigen sollen. Auch müssen die Risikoinformationen regelmässig überprüft werden. So hat der SVV gemeinsam mit dem Bund und weiteren Partnern einen neue Gefährdungskarte Oberflächenabfluss erarbeitet. Dies, um besser auf die zunehmende Gefahr von Starkniederschlägen vorbereitet zu sein. Weiter wurde im Jahr 2021 eine neue Hagelkarte veröffentlicht, die basierend auf neusten Daten und Methoden aufzeigt, wie gross die Gefahr von Hagelereignissen an verschiedenen Orten der Schweiz ist. Dieses Projekt wurde vom SVV stark unterstützt. Denn auch die Reduktion von Schadensummen muss in der Schweiz nach dem Prinzip der Solidarität funktionieren. Prävention im Vorfeld, Massnahmen im Katastrophenfall und die Behebung der Schäden danach können nur von allen Beteiligten gemeinsam angegangen werden.