SVV Si­cher­heits­mo­ni­tor

Publikation17. Juni 2019

Die zweite Ausgabe des «SVV Sicherheitsmonitors», herausgegeben vom Schweizerischen Versicherungsverband, stellt die Altersvorsorge ins Zentrum. Die Studie beruht auf einer repräsentativen Onlinebefragung von 1013 Erwachsenen in der Schweiz im April 2019. Die Befragung zeigt, dass das Sicherheitsbedürfnis der Schweizer Bevölkerung in den meisten Lebensbereichen gedeckt ist. Dies gilt für die Wohnsituation und das soziale Umfeld ebenso wie für den Arbeitsplatz und die polizeiliche Sicherheit.

Demgegenüber besteht ein markantes Sicherheitsdefizit in der Altersvorsorge. Nur 23 Prozent der befragten Personen sehen sich in diesem Bereich voll und ganz abgesichert. 40 Prozent sehen hingegen ihr Sicherheitsbedürfnis gar nicht befriedigt. Dies zeigt, dass die finanzielle Altersvorsorge zu den zentralen Herausforderungen im (subjektiven) Sicherheitsgefüge der Schweizer Bevölkerung gehört. Entsprechend beschäftigt sich der Sicherheitsmonitor 2019 schwerpunktmässig mit dem Thema der Altersvorsorge.

Gradueller Übertritt in den Ruhestand

Heute entscheidet sich ein grosser Teil der Schweizer Erwerbstätigen vor dem gesetzlichen Rentenalter aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Welche Rahmenbedingungen könnten aus Sicht der Befragten dazu beitragen, dass sie länger arbeiten würden und damit das Rentensystem stärken? Nur eine von sieben skizzierten Massnahmen findet bei einem substanziellen Teil der aktuell Erwerbstätigen Anklang. Es ist dies die Möglichkeit zur schrittweisen Reduktion des Arbeitspensums. 37 Prozent der 56- bis 65 Jährigen sehen darin einen für sie selbst wirksamen Ansatz für einen Aufschub der Pensionierung. Die vorliegende Befragung zeigt folglich, dass die schrittweise Reduktion des Arbeitspensums der womöglich erfolgversprechendste Ansatz ist, die Erwerbsphase zu verlängern. Die Flexibilisierung des Rentenalters, die gerne als Königsweg für eine auf die individuellen Umstände angepasste Erhöhung des Rentenalters angesehen wird, scheint dagegen weniger Anklang zu finden.

Zur Altersvorsorge im weiteren Sinn gehört der Umgang mit dem Risiko einer Pflegebedürftigkeit. Die Umfrage gibt hier alarmierende Erkenntnisse wieder: Nur gerade ein Viertel der Schweizer Bevölkerung fühlt sich für diesen Fall ausreichend abgesichert.

Furcht vor sinkendem Rentenniveau

Und wie sicher sind unsere Renten? Fast drei Viertel der Befragten gehen davon aus, dass das Rentenniveau in der Schweiz in Zukunft sinken wird. 22 Prozent erwarten dabei sogar ein deutliches Sinken. Nur eine Minderheit geht davon aus, dass die Politik aktiv Rentenkürzungen beschliesst. Die grosse Mehrheit glaubt dagegen, dass der Reformstau weiter anhält und die Renten trotzdem sinken werden. Dies bringt die Erwartung der Befragten zum Ausdruck, dass sich das System gewissermassen automatisch den demografischen Sachzwängen anpasst und fehlende Einnahmen mit tieferen Renten kompensiert werden.

Das Ansparen in der 2. Säule bevorzugt und gleichzeitig in Frage gestellt

Die Befragung zeigt, dass das Prinzip der obligatorischen beruflichen Vorsorge in der zweiten Säule (BVG) im Vergleich zur ersten Säule tendenziell als sicherer, nachhaltiger und effizienter eingeschätzt wird. Das Umlageverfahren der AHV wird dagegen häufiger mit der Fairness unter den Generationen in Verbindung gebracht. Insgesamt sind 38 Prozent der Befragten der Ansicht, dass die zweite Säule in Zukunft mehr Gewicht bei der Rentenfinanzierung haben soll. Deutlich weniger (28 Prozent) wünschen sich dagegen eine Verschiebung hin zur umlagefinanzierten ersten Säule (AHV). Der Glaubwürdigkeit der 2. Säule zum Trotz stellt sich eine relative grosse Mehrheit der befragten Personen gegen die Senkung des Umwandlungssatzes. Von vielen wird die Lösung der Finanzierung des ständig wachsenden Ungleichgewichts von Jung zu Alt in der Sozialisierung des Defizits gesehen. Die Allgemeinheit soll (etwa in Form von Mehrwertsteuerbeiträgen) für das Defizit der Pensionskassen aufkommen. Es ist das Dilemma der Reform der Altersvorsorge in der Zeit des demographischen Wandels: Zwar wollen die wenigsten ein Defizit anhäufen, zugleich sollen auch die Renten möglichst unangetastet bleiben. Geht es um konkrete Massnahmen der Rentenreform, wird am deutlichsten die Angleichung des Frauenrentenalters an jenes des Mannes unterstützt. Dies zeigt auf, dass in dieser hochpolitischen Frage ein Sinneswandel stattfindet. Am zweitmeisten Unterstützung findet die Erhöhung der Mehrwertsteuer. Bemerkenswert hoch ist die Unterstützung für eine Reduktion der AHV-Renten für Gutverdienende.

Drohende Aushöhlung von Föderalismus, Konkordanz und Miliz

Eine wichtige Voraussetzung für das Sicherheitsempfinden wird durch die politische Grundordnung geschaffen, die für einen mehr oder weniger stabilen Rahmen sorgt. Im abschliessenden Teil des «SVV Sicherheitsmonitors» geht es um diesen Rahmen und dessen spezifisch schweizerische Ausprägungen. Nach wie vor werden die typischen Merkmale der schweizerischen Grundordnung von einer grossen Mehrheit getragen. Die Umfrageergebnisse zeigen jedoch, dass sich ein markanter Graben zwischen den untersuchten Merkmalen öffnet. Während die direkte Demokratie und die Neutralität auch im persönlichen Bedeutungshorizont der Befragten verankert sind, gilt dies für andere Grundpfeiler des schweizerischen Politiksystems nur noch beschränkt. Nur je ein Fünftel sieht die Prinzipien Föderalismus, Konkordanz und Miliz auch persönlich als wichtig an. Die drei Prinzipen werden zwar im Abstrakten gutgeheissen, das Bekenntnis zu ihnen droht jedoch immer mehr zu einem blossen Lippenbekenntnis zu werden.

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