Ver­sor­gungs­eng­päs­se bei Me­di­ka­men­ten in der Schweiz: lo­ka­le und glo­ba­le Lö­sun­gen

Kontext17. Dezember 2020

Versorgungsengpässe bei Medikamenten mit patentabgelaufenen Wirkstoffen sind ein zunehmendes Problem. Gründe hierfür sowie Lösungsansätze werden aufgezeigt.

Versorgungsengpässe bei Medikamenten mit patentabgelaufenen Wirkstoffen sind ein zunehmendes Problem und haben im Rahmen der Covid-19-Pandemie zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Dabei gilt zwischen verschiedenen Arten von Engpässen zu unterscheiden, die nach ganz unterschiedlichen Lösungen verlangen. Begrenzte Versorgungsengpässe von Medikamenten mit bestimmten Wirkstoffdosierungen oder von einzelnen Herstellern können zwar aufwändig sein, sollten sich aber durch eine Substitution durch andere Dosierungen oder andere Hersteller beheben lassen. Bei lokalen Versorgungsengpässen fehlen die Medikamente mit dem spezifischen Wirkstoff zwar in der Schweiz, nicht aber in angrenzenden europäischen Ländern. Sie können kurzfristig durch Parallelimporte und mittelfristig durch eine Anpassung der Zulassungs- und Preisregulierung behoben werden. Bei globalen Versorgungsengpässen sind bestimmte Wirkstoffe weltweit gar nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen erhältlich. Die Schweiz kann diese Probleme kaum allein lösen, da sie ihre Ursache in Produktionsunterbrüchen bei chinesischen und indischen Herstellern haben, die oft im Alleingang den gesamten Weltmarkt beliefern. Diese Engpässe können also nur durch eine nachhaltige Verbesserung der Qualität und Zuverlässigkeit der Herstellungsketten behoben werden. Mögliche Mittel hierfür sind zum Beispiel Anreize für den nachhaltigen Aufbau von Produktionskapazitäten in Europa, der Abschluss von langfristigen Lieferverträgen mit garantierten Preisen oder die Entwicklung von Qualitäts-Labels für die Wirkstoffproduktion.


Aus schweizerischer Perspektive sollten wir also einerseits verstehen, wie wir unsere lokalen Versorgungsengpässe lösen können. Das Ausmass dieser Engpässe kann durch einen systematischen Vergleich mit Drug-Shortage-Listen anderer europäischer Länder ermittelt werden. Auf der Grundlage einer Marktanalyse bei den Wirkstoffen mit lokalen Engpässen (Auslandpreisdifferenz, Marktvolumen, etc.) sollte es dann möglich sein, ihre Ursachen zu identifizieren und mögliche Lösungen für eine bessere Regulierung des Generikamarktes zu entwickeln. 


Die globalen Versorgungsengpässe können andererseits nur in Zusammenarbeit mit anderen Ländern gelöst werden. Die Anstrengungen zur Bewältigung der Covid-19-Pandemie haben gezeigt, dass international abgestimmte Lösungen zur Bewältigung von Krisen in der Gesundheitsversorgung durchaus möglich sind. Eine Lösung für das vergleichsweise einfachere Problem der globalen Versorgungsengpässe der patentabgelaufenen Wirkstoffe sollte da eigentlich auch möglich sein.

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