Vor­wort

Das erste Nachhaltigkeitsreporting des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV fällt in eine Zeit, die geprägt ist von der Coronakrise. Ihre Dauer und ihre langfristigen Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft sind bei Redaktionsschluss des Berichts noch nicht abschätzbar. Vieles wird anders sein als vorher, aber nicht alles neu. Nachhaltigkeit mit ihren unterschiedlichen Facetten ist und bleibt Voraussetzung für eine stabile Wirtschaft, eine sichere Gesellschaft und eine lebenswerte Umwelt – auch nach der Krise.

Die Schweizer Privatversicherer sind wichtige Arbeitgeber, Steuerzahler und Investoren im In- und Ausland. Sie übernehmen Risiken, die Geschäfts- und Privatkunden nicht tragen wollen oder können. Sie ermöglichen ihnen so, ihre Ressourcen zukunftsgerichtet und zum Wohle von Wirtschaft und Gesellschaft einzusetzen. Als massgebliche und treibende Kraft der Schweizer Volkswirtschaft tragen die Schweizer Privatversicherer volkswirtschaftliche Verantwortung. Diese belegen sie unter anderem mit einem klaren Bekenntnis zur Nachhaltigkeit und ihrer schrittweisen Umsetzung im Versicherungsgeschäft. Der vorliegende Report macht die bisherigen Anstrengungen der Branche in den Bereichen Kapitalanlagen, Betriebsökologie und Underwriting nach aussen sicht- und überprüfbar. Er dient auch der Branche selber als Standortbestimmung und hilft, die Nachhaltigkeitsdebatte möglichst faktenbasiert zu führen.

Nachhaltigkeit ist für die Versicherungswirtschaft alles andere als neu. Es gehört seit je zum Versicherungsgeschäft, Fragen zur Nachhaltigkeit bei der Risikobeurteilung, bei der Ausgestaltung von Versicherungsverträgen und bei der Schadenprävention einzubeziehen. Besonders die global tätigen Versicherer wurden schon früh auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam und mussten sich mit seinen Auswirkungen auf Umwelt, Gesellschaft und Versicherungsgeschäft auseinandersetzen. Unter diesem Eindruck sprachen sich die Mitgliedunternehmen des SVV bereits 2016 für die Einhaltung des Pariser Abkommens aus und unterstützen die damit verbundenen CO2-Reduktionsziele des Bundesrats. Viele von ihnen haben sich im Jahr 2017 auch an der ersten freiwilligen Klimaverträglichkeitsanalyse des Bundes für Pensionskassen- und Versicherungsportfolios beteiligt und diese zu ihrer eigenen Standortbestimmung genutzt.

Besonders im öffentlichen Fokus steht die Nachhaltigkeit von Kapitalanlagen. Als bedeutende institutionelle Anleger mit langfristigem Anlagehorizont wollen die Schweizer Privatversicherer in ihrem Bestreben, Nachhaltigkeit und Rendite zusammenzubringen, eine führende Rolle übernehmen und damit eine volkswirtschaftlich relevante Wirkung erzielen. Die Schweizer Privatversicherer befinden sich hier in einer vergleichsweise komfortablen Ausgangslage. Da das Versicherungsgeschäft naturgemäss langfristig angelegt ist, verlangt es nach sicheren Anlagen, die langfristig stabile Renditen abwerfen. Es zeigt sich immer mehr, dass nachhaltige Investitionen diese Voraussetzungen gut erfüllen. Es gibt also keine ökonomischen Gründe, sie nicht zu tätigen. Die Mitgliedunternehmen des SVV bekennen sich bei der Auswahl ihrer Kapitalanlagen zur Berücksichtigung der unter dem Kürzel ESG (für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) bekannten Nachhaltigkeitskriterien.

Der SVV beabsichtigt, das Nachhaltigkeitsreporting fortan jährlich aufzulegen und seine Aussagekraft kontinuierlich zu erhöhen. Der Bericht steht für unsere Überzeugung, dass Selbstverantwortung und Freiwilligkeit auch in Zukunft die besten Voraussetzungen darstellen, um die Nachhaltigkeit des Wirtschaftskreislaufs zu erhöhen. Nachhaltigkeit liegt in unserem eigenen geschäftlichen Interesse. Sie muss nicht zusätzlich vorgeschrieben werden – auch nicht nach der Coronakrise, die uns die Regulierungsmacht des Staates in Notlagen vor Augen geführt hat. Deshalb erinnern wir uns gerne an die vor der Krise geäusserte Absicht des Bundesrats, bei der Nachhaltigkeit im Finanzsektor auf Subsidiarität und Marktwirtschaft zu setzen. Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit widersprechen sich nicht – im Gegenteil. Sie unterstützen sich gegenseitig, wenn die Rahmenbedingungen richtig gesetzt sind. Wir müssen diesen Weg Schritt für Schritt gehen.

Thomas Helbling, Direktor SVV

Urs Arbter, Stellvertretender Direktor SVV