ASA Ti­ci­no be­lebt Kern­the­men der Ver­si­che­rungs­wirt­schaft jen­seits der Al­pen

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Der Versicherungssektor ist auch im Tessin ein wichtiger Pfeiler der regionalen Wirtschaft. Die Tessiner Sektion des SVV thematisiert Kernanliegen der Versicherungswirtschaft durch Dialog und Events mit Vertretern der Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Nur so kann eine stabile, glaubwürdige Partnerschaft aufgebaut werden.

Anlässlich des Jahresanlasses der ASA Ticino, dem InsurTalk Ticino, diskutierten die Tessiner Privatversicherer mit Staatsrat Christian Vitta und SUPSI-Forscherin Jenny Assi über die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit.

Das topaktuelle Thema der Cyberrisiken wurde anlässlich des Annual Forum Assicurazioni am Centro Studi Villa Negroni angesprochen. Die Experten Gabor Jaimes, Francesca Bosco und Mauro Vignati erläuterten die damit zusammenhängenden Trends, Spannungsfelder, Entwicklungen und Gaps.

InsurTalk Ticino: Versicherungswirtschaft und Nachhaltigkeit, Hand in Hand

Am 29. September hat in Manno die jährliche Veranstaltung des Schweizerischen Versicherungsverbandes ASA Sektion Tessin, der InsurTalk Ticino, stattgefunden, der dem Thema Nachhaltigkeit gewidmet war. Staatsrat Christian Vitta, Vorsteher des Finanz- und Wirtschaftsdepartements, unterstrich die Bedeutung des Versicherungssektors für die Tessiner Wirtschaft und betonte, dass die Branche der nachhaltigen Entwicklung besondere Aufmerksamkeit schenkt und ihre volkswirtschaftliche Verantwortung wahrnehme. Auch der Kanton und das Finanz- und Volkswirtschaftsdepartement ergreifen wichtige Fördermassnahmen in diesem Bereich, zum Beispiel mit der Entwicklung eines vereinfachten Nachhaltigkeitsberichtsmodells für kleine und mittlere Unternehmen oder mit finanzieller Unterstützung für Unternehmen, die in die Ausbildung entsprechender Fachkräfte investieren wollen.

Jenny Assi, Forscherin und Dozentin am Departement für Betriebs-, Gesundheits- und Sozialökonomie der Fachhochschule der italienischen Schweiz (SUPSI), zeichnete den Zusammenhang zwischen den internationalen wissenschaftlichen Entwicklungen in den Bereichen Umwelt, Soziales und unternehmerische Nachhaltigkeit und der Realität im Kanton Tessin nach: «Die Unternehmen sind zunehmend gefordert, ihre Auswirkungen zu identifizieren, um positive Effekte zu stimulieren und negative Auswirkungen auf die Gesellschaft zu mindern. Im Tessin spielen die Wirtschaftsverbände eine wichtige Rolle bei der Sensibilisierung und Begleitung ihrer Mitglieder auf diesem Weg. Der Nachhaltigkeitsbericht des Schweizerischen Versicherungsverbandes ist in dieser Hinsicht von grossem Interesse», sagte Assi an der Tagung.

Eduard Held, Geschäftsführer des Elementarschadenpools und Bereichsleiter Nichtleben und Rückversicherung beim SVV, bezeichnete die Versicherungswirtschaft und die Nachhaltigkeit als «ein untrennbares Duo» und stellte die wichtigsten Hebel der Versicherungswirtschaft, wie beispielsweise die Underwriting- und Anlagepolitik, vor. «Nachhaltigkeit ist Teil der DNA der Versicherungsindustrie, da unsere Tätigkeit auf einem langfristig orientierten Geschäftsmodell beruht», bekräftigte Held.

Cyberrisiken im Zentrum des Annual Forum Assicurazioni

Mit der Zunahme der Cyberkriminalität entwickelt sich der Bedarf nach Cybersicherheit und entsprechenden Versicherungsprodukten. Jedoch: nicht jeder Schaden ist versicherbar – und die Datenlage ist in konstantem Wandel.

Gabor Jaimes, Experte für Sach-, Cyber und Elementarschadenversicherung beim SVV, erläuterte die aktuelle Lage und geschätzte Entwicklung aus Sicht der Privatversicherer. «Der globale ökonomische Schaden durch Cyberkriminalität wird von einem der grössten Rückversicherer für das Jahr 2021 auf 6000 Milliarden US-Dollar geschätzt. Das entspricht in etwa der Höhe der Schäden, die durch die Pandemie und die damit verbundenen Massnahmen entstanden sind», erinnerte Jaimes. «Eine der Aufgaben der Versicherungsindustrie liegt darin, ihre Unternehmens- und Privatkunden, aber auch die Gesellschaft, auf das Thema Cybersicherheit zu sensibilisieren. Denn das Gefahrenbild verändert sich ständig und kennt weder Kantons- noch Landesgrenzen».

Francesca Bosco, Senior Advisor bei der Genfer NGO Cyber Peace Institute, wies auf die Entwicklungen von Cyberangriffen auf Spitäler und weitere Leistungserbringer aus dem Gesundheitsbereich hin. Solche Angriffe haben nicht nur technische und finanzielle Konsequenzen, sondern können sich bis auf die Fähigkeit der Versorgungseinrichtungen, lebensrettende Eingriffe vorzunehmen, auswirken. Auch die Absichten der kriminellen Organisationen hinter solchen Angriffen sind im Wandel: Bekannt ist die Drohung der Veröffentlichung von Daten, falls kein Lösegeld bezahlt wird. Vermehrt gelten Daten von Spitälern aber auch als wertvolle Ware, die im Darkweb verkauft werden kann. Dadurch kann das Vertrauen der Bevölkerung in das gesamte Gesundheitssystem geschwächt werden, was längerfristig auch zu einer Schwächung der politischen und gesellschaftlichen Stabilität führen kann.

Mauro Vignati, Berater für digitale Kriegsführungstechnologien beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und Dozent an der Berner Fachhochschule BFH und an der Universität der italienischen Schweiz (USI), legte die Spannungsfelder dar, mit denen die involvierten Akteure – Opfer von Cyberattacken, Behörden, Versicherer – konfrontiert sind. Kriegseinsätze verlagern das Thema von der privaten in die öffentliche Sphäre. Wie die Ausschlussklausel im Falle eines bewaffneten Konflikts zur Anwendung kommt, ist zum Teil nicht genau definiert. Was ist bei kollateralen und indirekten Schäden zu tun? Was ist, wenn Zivilisten und andere Einrichtungen, die nicht einer Regierung unterstehen, an bewaffneten Aktionen teilnehmen? Dies verunmöglicht eine klare Zuordnung von Schäden, was für Versicherungen jedoch eine zentrale Rolle spielt. Der vom SVV unterstützte Anlass wurde von rund 80 Vertreterinnen und Vertretern der Versicherungsbranche besucht.

Kleine Sektion mit grosser Wirkung

Im September wählte die Generalversammlung der ASA Sezione Ticino zwei neue Mitglieder in den Vorstand: Michele Bertini, Generalagent der Mobiliar Schweiz, und Ronnie Felix, Regionalleiter der Swica. Somit ist der Sektionsvorstand unter der Leitung von Sektionspräsident Samuele Donnini, Head Ticino der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG, wieder vollständig.

ASA Sezione Ticino vertritt die kantonalen Interessen der Privatversicherer auf politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene. Gemäss einer Studie von BAK Economics aus dem Jahr 2021 generiert der Versicherungssektor im Kanton Tessin eine Wertschöpfung von über 611 Millionen Franken und beschäftigt mehr als 1'200 Personen (Vollzeitäquivalente) sowie 900 Versicherungsmakler.