Schwei­zer Pri­vat­ver­si­che­rer bei Ka­pi­tal­an­for­de­run­gen nicht be­nach­tei­li­gen

Fokus02. Juni 2022

Die Regulierung der Kapitalanforderungen darf den Versicherungsplatz Schweiz nicht benachteiligen. Die Spread-Sensitivität des bestehenden Modells ist zu verringern, Rechtssicherheit und Planbarkeit sind wichtige Handlungsmaximen.

Der SVV begrüsst die am 4. Dezember 2020 vom Bundesrat publizierte aktualisierte Finanzplatzstrategie. Diese stellt die Wettbewerbsfähigkeit und die Zukunftsfähigkeit des Finanzplatzes ins Zentrum und betont die Ambition des Bundesrats, mit optimalen Rahmenbedingungen auch weiterhin eines der wichtigsten globalen Finanzzentren sein zu wollen. Die aktuellen Entwicklungen auf Gesetzes- und Verordnungsstufe müssen sich an dieser Zielsetzung orientieren.

Die bundesrätliche Finanzmarktstrategie ist für die Schweizer Versicherungsbranche von hoher Bedeutung. Sie sichert die Kontinuität und ist zielgerichtet ausgestaltet. Gleichwohl nimmt die Strategie neue Herausforderungen auf und berücksichtigt nationale sowie internationale Entwicklungen. Eine zentrale Rolle kommt dabei in konsequenter Weise der Erhaltung und Stärkung der Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz zu.

Beurteilung der Solvenzvorschriften im Spannungsfeld der internationalen Entwicklungen

Die Regulierung der Kapitalvorschriften ist für den Versiche-rungsplatz sowie für die Volkswirtschaft zentral. Sie stellt die entscheidenden Weichen für die Erhaltung und Stärkung der Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit des Finanzplatzes. Die Eckwerte der Kapitalanforderungen unterliegen deshalb einer politischen Regulierung. Gleichzeitig sind auch auf tieferen Regulierungsstufen die Entwicklungen stets im Auge zu behalten, um eine weitere Verschärfung der Schweizer Solvenzanforderungen zu vermeiden.

Rechtssicherheit und Planbarkeit als wichtige Kriterien bei der Festlegung des Kapitalbedarfs

So sind neben den aktuellen Entwicklungen auf Gesetzes- und Verordnungsstufe auch die Finma-Regularien aus dem Blickwinkel der Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit zu betrachten. Hierfür steht der SVV im regen Austausch mit der Finma. Aktuell stehen folgende zentrale Themen im Fokus:

  • Zinskurven: Zinskurven haben eine hervorragende Bedeutung bei der Festlegung des Kapitalbedarfs. Anpassungen an den für den SST zu verwendenden Zinskurven müssen unter den Gesichtspunkten der Rechts-sicherheit, Stetigkeit und Finanzierbarkeit über einen angemessenen Zeitraum erfolgen. Zusätzlich ist die Planbarkeit für Parameter, die für nicht verlässlich beobachtbare Marktdaten stehen, zentral. Der SVV begrüsst die Einigung bezüglich eines weiteren Übergangsregimes für die Zinskurve im Schweizer Franken. Dies schafft den zeitlichen Raum für die gemeinsamen Bestrebungen von Aufsicht, Industrie und Wissenschaft, eine tragfähige und längerfristig implementierbare Methode für die Bestimmung der Zinskurve zu entwickeln.
  • Sensitivität der Modelle: Durch die Einführung der neuen Standardmodelle hat sich die Sensitivität des Modells auf Spreadänderungen massiv erhöht. Finma und SVV versuchen, durch unterschiedliche Ansätze diese Sensitivität des Standardmodells zu reduzieren. Die Arbeiten sind intensiv weiterzuführen, um diesen Aspekt des Standardmodells adressieren zu können.

Etablierung eines Kleinversichererregimes als Konsequenz der bundesrätlichen Finanzmarktstrategie

Der SVV begrüsst die Bestrebungen der Finma ein zum Kleinbankenregime analoges System für die Versicherungen zu etablieren. Dabei gilt es zu beachten, dass die möglichen Erleichterungen und insbesondere die Eintrittskriterien derart festgelegt werden, dass eine relevante Anzahl kleinerer Erst- und Rückversicherer von den Erleichterungen profitiert. Diese müssen zum Teil einen grossen perso-nellen und administrativen Aufwand betreiben, um die heutigen regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Anforderungen zu erfüllen.