Ka­pi­tal­an­for­de­run­gen: Schwei­zer Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men nicht be­nach­tei­li­gen

Positionen20. Dezember 2021

Der SVV begrüsst die am 4. Dezember 2020 vom Bundesrat publizierte aktualisierte Finanzplatzstrategie. Diese stellt die Wettbewerbsfähigkeit und die Zukunftsfähigkeit des Finanzplatzes ins Zentrum und betont die Ambition des Bundesrats, mit optimalen Rahmenbedingungen auch weiterhin eines der wichtigsten globalen Finanzzentren sein zu wollen. Die aktuellen Entwicklungen auf Gesetzes- und Verordnungsstufe müssen sich an dieser Zielsetzung orientieren.

Die Regulierung der Kapitalanforderungen darf den Versicherungsplatz Schweiz nicht benachteiligen.

Die bundesrätliche Finanzmarktstrategie ist für die Schweizer Versicherungsbranche von hoher Bedeutung. Sie sichert die Kontinuität und ist zielgerichtet ausgestaltet. Gleichwohl nimmt die Strategie neue Herausforderungen auf und berücksichtigt nationale sowie internationale Entwicklungen. Eine zentrale Rolle kommt dabei in konsequenter Weise der Erhaltung und Stärkung der Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz zu.

Solvenzvorschriften sind im Spannungsfeld der internationalen Entwicklungen zu beurteilen

Die Regulierung der Kapitalvorschriften ist für den Versicherungsplatz sowie für die Volkswirtschaft zentral. Sie stellt die entscheidenden Weichen für die Erhaltung und Stärkung der Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit des Finanzplatzes. Die Eckwerte der Kapitalanforderungen unterliegen deshalb einer politischen Regulierung. Gleichzeitig sind auch auf tieferen Regulierungsstufen die Entwicklungen stets im Auge zu behalten, um eine weitere Verschärfung der Schweizer Solvenzanforderungen zu vermeiden.

 

Rechtssicherheit und Planbarkeit als wichtige Kriterien bei der Festlegung des Kapitalbedarfs

So sind neben den aktuellen Entwicklungen auf Gesetzes- und Verordnungsstufe auch die Finma-Regularien aus dem Blickwickel der Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit zu betrachten. Hierfür steht der SVV im regen Austausch mit der Finma. Aktuell stehen folgende zentrale Themen im Fokus:

  • Zinskurven: Zinskurven haben eine hervorragende Bedeutung bei der Festlegung des Kapitalbedarfs. Anpassungen an den für den SST zu verwendenden Zinskurven müssen unter den Gesichtspunkten der Rechtssicherheit, Stetigkeit und Finanzierbarkeit über einen angemessenen Zeitraum erfolgen. Zusätzlich ist die Planbarkeit für Parameter, die für nicht verlässlich beobachtbare Marktdaten stehen, zentral. Der SVV begrüsst die gemeinsamen Bestrebungen von Aufsicht, Industrie und Wissenschaft, eine tragfähige und längerfristig implementierbare Methode für die Bestimmung der Zinskurve zu entwickeln. Bis dies geschehen ist, gilt es im Sinne einer Rechts- und Planungssicherheit das bisherige Verfahren weiterzuführen.
  • Sensitivität der Modelle: Durch die Einführung der neuen Standardmodelle hat sich die Sensitivität des Modells auf Spreadänderungen massiv erhöht. Finma und SVV versuchen, durch unterschiedliche Ansätze diese Sensitivität des Standardmodells zu reduzieren. Die Arbeiten sind intensiv weiterzuführen, um diesen Aspekt des Standardmodells adressieren zu können.

Etablierung eines Kleinversichererregimes

Der SVV begrüsst, dass der Bundesrat die Einführung eines zum Kleinbankenregime analogen Systems für die Versicherungen prüfen will. Die Finma hat dazu bereits einen Austausch mit der Industrie initialisiert und Arbeitsgruppen eingesetzt, um Eintrittskriterien sowie mögliche Erleichterungen zu diskutieren. Diese sind dabei derart festzulegen, dass eine relevante Anzahl kleinerer Versicherer von den Erleichterungen profitiert. Der SVV begleitet und unterstützt diese Arbeiten, da vor allem weniger grosse Erst- und Rückversicherer von einer erleichterten Aufsicht profitieren könnten. Diese müssen zum Teil einen grossen personellen und administrativen Aufwand betreiben, um die heutigen regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Anforderungen zu erfüllen.