Ka­pi­tal­an­for­de­run­gen: Schwei­zer Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men nicht be­nach­tei­li­gen

Positionen28. Mai 2021

Der SVV begrüsst die am 4. Dezember 2020 vom Bundesrat publizierte aktualisierte Finanzplatzstrategie. Diese stellt die Wettbewerbsfähigkeit und die Zukunftsfähigkeit des Finanzplatzes ins Zentrum und betont die Ambition des Bundesrats, mit optimalen Rahmenbedingungen auch weiterhin eines der wichtigsten globalen Finanzzentren sein zu wollen. So will der Bundesrat unter anderem die Einführung eines zum Kleinbankenregime analogen Systems für Versicherungen prüfen.

Der SVV fordert Anpassungen des SST. Die Kapitalanforderungen dürfen den Versicherungsplatz Schweiz nicht benachteiligen.

Wir wägen ab:

Die bundesrätliche Finanzmarktstrategie ist für die Schweizer Versicherungsbranche von hoher Bedeutung. Sie sichert die Kontinuität und ist zielgerichtet ausgestaltet. Gleichwohl nimmt die Strategie neue Herausforderungen auf und berücksichtigt nationale sowie internationale Entwicklungen. Eine zentrale Rolle kommt dabei in konsequenter Weise der Erhaltung und Stärkung der Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz zu.

Solvenzvorschriften sind im Spannungsfeld der internationalen Entwicklungen zu beurteilen

Die Regulierung der Kapitalvorschriften ist für den Versicherungsplatz sowie für die Volkswirtschaft zentral. Sie stellt die entscheidenden Weichen für die Erhaltung und Stärkung der Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit des Finanzplatzes. Der SVV sieht es daher als einen positiven Schritt, dass inskünftig die Kapitalanforderungen einer politischen Regulierung unterliegen. Gleichzeitig sind auch auf tieferen Regulierungsstufen die Entwicklungen der internationalen Kapitalstandards stets im Auge zu behalten, um eine weitere Verschärfung der Schweizer Solvenzanforderungen zu vermeiden.

 

Ständiger Austausch mit der Finma stellt Grundvoraussetzung dar

Obgleich seit 2015 eine Äquivalenz zwischen den beiden Kapitalanforderungssystemen Solvency II (in der EU) und dem Schweizer Solvenztest SST besteht, sind einige Bestimmungen nicht identisch: Gerade bei den Kapitalanforderungen werden Schweizer Versicherungsgesellschaften und -gruppen durch hohe Solvenzanforderungen des SST benachteiligt, insbesondere im Bereich Leben. Das benachteiligt vor allem Schweizer Konzerne mit Tochtergesellschaften in der EU, weil die SST-Regeln auch für den Teil im Ausland angewendet werden müssen.

In diesem Zusammenhang steht der SVV zu zentralen Themen mit der Finma im regen Austausch:

  • Sensitivität der Modelle: Durch die Einführung der neuen Standardmodelle hat sich die Sensitivität des Modells auf Spreadänderungen massiv erhöht. Finma und SVV versuchen, durch unterschiedliche Ansätze diese Sensitivität des Standardmodells zu reduzieren. Die Arbeiten sind intensiv weiterzuführen, um diesen Aspekt des Standardmodells adressieren zu können.
  • Zinskurven: Anpassungen an den für den SST zu verwendenden Zinskurven müssen unter den Gesichtspunkten der Rechtssicherheit, Stetigkeit und Finanzierbarkeit über einen angemessenen Zeitraum erfolgen. Zusätzlich ist die Planbarkeit für Parameter, die für nicht verlässlich beobachtbare Marktdaten stehen, zentral. Der SVV vertritt die Auffassung, dass der aktuell verwendete Interpolations- bzw. Extrapolationsansatz eine Methode darstellt, die auch inskünftig weiterhin im SST zur Anwendung kommen sollte.

Etablierung eines Kleinversicherer-Regimes

Der SVV begrüsst, dass der Bundesrat die Einführung eines zum Kleinbankenregime analogen Systems für die Versicherungen prüfen will. Die Finma hat dazu bereits einen Austausch mit der Industrie initialisiert, um Eintrittskriterien sowie mögliche Erleichterungen zu diskutieren. Der SVV begleitet und unterstützt diese Arbeiten, da vor allem weniger grosse Erst- und Rückversicherer, die oftmals hohe Solvenzquoten aufweisen, von einer erleichterten Aufsicht profitieren könnten. Diese müssen zum Teil einen grossen personellen und administrativen Aufwand betreiben, um die regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Anforderungen zu erfüllen.