Ent­wick­lung zu ei­nem nach­hal­ti­gen Fi­nanz­markt

News07. Oktober 2019

Der Finanzsektor der Schweiz verfügt über einen beachtlichen Leistungsausweis in Sachen Nachhaltigkeit. Der Entwicklung nachhaltiger Anlagen in der Schweiz widmet Swiss Sustainable Finance nun die Broschüre «Switzerland for Sustainable Finance – Transforming finance for a better world». Diese beleuchtet unter anderem die Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft sowie die Rolle der Bildung. Der SVV hat die Broschüre als Projektpartner unterstützt.

Heute ist das Thema Nachhaltigkeit allgegenwärtig. Der Schweizer Finanzsektor und insbesondere die Versicherer haben sich mit ihrer Innovationskraft bereits frühzeitig dem Thema angenommen. Swiss Sustainable Finance widmet dieser Tradition nachhaltiger Finanzprodukte und -dienstleistungen in der Schweiz eine neue Broschüre. «Switzerland for Sustainable Finance – Transforming finance for a better world» zeigt auf, welche Bedingungen für die starke Position des Finanzplatzes bei diesem Thema verantwortlich sind. Die Broschüre nennt die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft, das Bildungssystem sowie die politische wie auch wirtschaftliche Stabilität. Insbesondere das Prinzip, dass regulatorisch nur eingegriffen wird, wenn der Markt versagt, fördert die Entwicklung innovativer Lösungen. Neben dem SVV haben die Schweizerische Bankiervereinigung und die Swiss Funds & Asset Management Association als Projektpartner die Realisation der Broschüre unterstützt.

 

Switzerland for Sustainable Finance

Switzerland for Sustainable Finance

Publisher: Swiss Sustainable Finance
Authors: Angela M. Harp, Harp Communications; Kelly Hess and Sabine Döbeli, Swiss Sustainable Finance
Project Partners: Hans-Ruedi Mosberger, SwissBanking; Katja Brunner and Markus Fuchs, Swiss Fund & Asset Management Association, Urs Arbter, Swiss Insurance Association

 

Die gesamte Broschüre in Englisch zum Download.

Das Kapitel «Innovative solutions for sustainable investment and insurance services» gibt einen Einblick in die Broschüre «Switzerland for Sustainable Finance – Transforming finance for a better world».

Nachhaltig anlegen und versichern

Innovative Lösungen für nachhaltige Anlage- und Versicherungsdienstleistungen

Als führendes Finanzzentrum hat die Schweiz bereits früh mit der Einführung nachhaltiger Anlageprodukte begonnen. Immer mehr private und institutionelle Kunden setzen auf eine verantwortungsvolle Vermögensverwaltung und profitieren dabei von der Erfahrung der Branche.

 

Bei der Auswahl des richtigen Standorts für Anlagechancen betrachten Anleger die Schweiz als Kompetenzzentrum für Anlageprodukte und -dienstleistungen, wo auch in der Beratung höchste Servicequalität geboten wird. Gemäss dem BCG Global Wealth Report 2019 wurden Ende 2018 internationale Vermögen im Gesamtwert von 2,27 Billionen Franken in der Schweiz verwaltet, womit das Land die Rangliste der grössten Vermögensverwaltungszentren für internationale Kunden anführt.

Das Know-how in der Schweiz umfasst zunehmend auch den Bereich der nachhaltigen Anlagen, mit denen sich die Schweizer Bankenbranche als Pionierin positioniert. Bereits in den 1990er-Jahren boten Schweizer Vermögensverwalter Mandate an, die auf nachhaltige Anlagen setzten. So brachte ein Pharmaunfall in Basel, der die Umwelt stark in Mitleidenschaft zog, die Bank J. Safra Sarasin dazu, auf Umweltkriterien basierende Verwaltungsmandate anzubieten und den ersten auf Umweltschutz ausgerichteten Anlagefonds zu lancieren. Heute ist der Faktor Nachhaltigkeit auch im Anlageprozess vieler anderer Schweizer Banken fest verankert.

Zudem wurden Institute geschaffen, deren einziger Zweck darin besteht, nachhaltige Finanzdienstleistungen anzubieten. Beispiele dafür sind die Gründung der Alternativen Bank Schweiz (ABS) 1990, von RobecoSAM 1995, Forma Futura Invest 2006 und der Globalance Bank 2011. Über die Jahre haben mehrere Schweizer Banken eigene Nachhaltigkeitsindikatoren für Anlageportfolios entwickelt. Die Zürcher Kantonalbank zum Beispiel hat einen Nachhaltigkeitsindikator eingeführt, der bereits seit 2011 auf allen ihren Fondsdatenblättern aufgeführt wird. Im Rahmen des Onboardings beurteilt Raiffeisen seit 2013 die Nachhaltigkeitspräferenzen ihrer Kunden und gibt an, dass sich der Anteil an nachhaltigen Fonds bei Raiffeisen auf mehr als 60 Prozent des Gesamtfondsvolumens erhöht hat. Weitere Institute wie die Credit Suisse und Edmond de Rothschild haben für ihre Kundenberater Schulungsprogramme zum Thema nachhaltige Finanzen erarbeitet, um so eine hohe Qualität in der Beratung sicherzustellen.

Nachhaltige Anlagen erreichen neue Höhen

Aufgrund dieser Entwicklungen ist der Anteil nachhaltiger Anlagen in der Schweiz in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen. Gemäss der von Swiss Sustainable Finance (SSF) veröffentlichten Schweizer Marktstudie Nachhaltige Anlagen 2019 betrug das Gesamtvolumen nachhaltiger Anlagen Ende 2018 insgesamt 716,6 Milliarden Franken. Diese beeindruckende Steigerung in den letzten Jahren ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass immer mehr institutionelle Anleger wie Versicherungen und Pensionskassen auf nachhaltige Anlagestrategien setzen und auch viele Vermögensverwalter bei der Auswahl von Anlagen heute standardmässig Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen.

 

Switzerland for Sustainable Finance

Entwicklung nachhaltiger Anlagen in der Schweiz, 2008 bis 2018

Schweizer Versicherungen setzen für das Risikomanagement auf Nachhaltigkeit

Nicht nur die Schweizer Banken haben festgestellt, dass nachhaltige Anlagen Chancen bieten. Auch die Versicherungen im Land haben sich früh auf diesen Trend ausgerichtet und vor mehr als zehn Jahren damit begonnen, ihre Risikomodelle um Prozesse zur Beurteilung von Nachhaltigkeitsrisiken zu ergänzen und die entsprechenden Faktoren beim Underwriting zu berücksichtigen. Diese spielen auch bei der Prävention von Naturkatastrophen eine wesentliche Rolle, von denen viele durch den Klimawandel verursacht werden. In Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Sektor hat die Schweizer Versicherungsbranche beispielsweise eine Gefährdungskarte für Schäden durch oberflächlich abfliessendes Wasser erstellt, damit Gebäudeeigentümer und Raumplaner wirksame Präventionsmassnahmen gegen diese Bedrohung ergreifen können, die für 50 Prozent aller von der Natur verursachten Wasserschäden verantwortlich ist.

International hat Swiss Re, eine der führenden Schweizer Versicherungsgesellschaften, dazu beigetragen, die 2012 eingeführten Nachhaltigkeitsprinzipien für Versicherer (PSI), eine Finanzinitiative des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP FI), die als Rahmenwerk für Nachhaltigkeit gilt, fest zu etablieren, und setzt sich aktiv für Massnahmen im Rahmen dieser Grundsätze ein.

Nachhaltigkeitsfaktoren spielen auch eine immer bedeutsamere Rolle, wenn es um Anlagen der Versicherungsunternehmen selbst geht. Swiss Re ist als erster Versicherer der Schweiz auf Nachhaltigkeits-Benchmarks in der Vermögensverwaltung umgestiegen. Schon seit vielen Jahren berät das Unternehmen Entwicklungsländer darin, ihre Wirtschaft widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel zu machen. Die Zurich Insurance Group hat 2017 im Rahmen sogenannter Impact-Investments fünf Milliarden US Dollar investiert und kürzlich ein Rahmenwerk zur Umweltverträglichkeitsmessung erarbeitet, um die Umwelteinflüsse und die Resilienz ihres Impact-Investment-Portfolios zu beurteilen.

Dienstleister tragen zu Nachhaltigkeitstrend bei

Schweizer Anleger profitieren von einem dynamischen Umfeld, das von Anbietern nachhaltiger Investmentlösungen geprägt wird. Unternehmen wie Carbon Delta, Covalence, Inrate und RepRisk, von denen viele Kunden auf der ganzen Welt bedienen, bieten Datenanalysen und eigene Ratings an, um Investoren die Beurteilung der Nachhaltigkeit und der Performance sowie von Chancen und Risiken von Anlagen zu erleichtern.

Mit dem Trend, dass Anleger sich aktiv entsprechenden Nachhaltigkeitszielen verpflichten, unterstützen Dienstleister wie der Ethos Engagement Pool, zRating und BHP Anleger darin, Einfluss auf die ESG-Praktiken der Unternehmen auszuüben, in denen sie investiert sind. Schliesslich tragen auch auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Beratungsunternehmen wie Conser und onValues zur Beschleunigung des Trends bei, indem sie Pensionskassen und andere Besitzer von Vermögenswerten zu nachhaltigen Anlagestrategien und -prozessen beraten.

Hin zu einer nachhaltigen Finanzwelt

Die Schweizer Finanzbranche hat gezeigt, dass sie in der Lage ist, aus einem in den Kinderschuhen steckenden Konzept eine vielseitige und prosperierende Branche entstehen zu lassen, die auf die veränderten Anlegerbedürfnisse zugeschnitten ist. Dieser Geist muss weitergetragen werden, um sicherzustellen, dass die Finanzbranche Teil der Lösung ist, den Herausforderungen der modernen Welt zu begegnen.

 

Die gesamte Broschüre in Englisch zum Download.