Mak­ler­ent­schä­di­gung im BVG: Die Wahl­frei­heit der KMU muss wei­ter be­ste­hen

Fokus28. Mai 2021

Der SVV lehnt ein Verbot von Maklercourtagen ab, dieses ist weder zielführend noch im Interesse der KMU.

In der Botschaft zur «Modernisierung der Aufsicht in der 1. Säule und Optimierung in der 2. Säule» vom 20. November 2019 schlägt der Bundesrat einen neuen Art. 69 BVG vor, der ihm die Kompetenz einräumt zu regeln, «unter welchen Voraussetzungen Vorsorgeeinrichtungen für die Vermittlung von Vorsorgegeschäften Entschädigungen bezahlen dürfen und Versicherungseinrichtungen solche Entschädigungen ihrer getrennten Betriebsrechnung für die berufliche Vorsorge belasten dürfen». Als Begründung dafür wird ein latenter Interessenkonflikt geltend gemacht: Makler könnten versucht sein, nicht die für den Kunden beste Lösung zu empfehlen, sondern diejenige, die ihnen selbst die höchste Courtage einbringt.

Viele Unternehmen ziehen im Hinblick auf den Anschluss an eine Vorsorgeeinrichtung einen Makler bei. Dies ist verständlich, da den Unternehmen in der Regel das Wissen im Bereich der beruflichen Vorsorge fehlt. Die Entschädigung des Maklers erfolgt entweder durch das Unternehmen selbst oder durch die vom Unternehmen gewählte Vorsorgeeinrichtung (sogenanntes «Courtagenmodell») oder durch eine Kombinationsvariante. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bevorzugen mehrheitlich das Courtagenmodell.

Die Maklerentschädigung ist klar & transparent geregelt

Für die Maklerentschädigung im Bereich der beruflichen Vorsorge ist Art. 48k Abs. 2 BVV 2 massgebend: «Werden externe Personen und Institutionen mit der Vermittlung von Vorsorgegeschäften beauftragt, so müssen sie beim ersten Kundenkontakt über die Art und Herkunft sämtlicher Entschädigungen für ihre Vermittlungstätigkeit informieren. Die Art und Weise der Entschädigung ist zwingend in einer schriftlichen Vereinbarung zu regeln, die der Vorsorgeeinrichtung und dem Arbeitgeber offenzulegen ist. Die Bezahlung und die Entgegennahme von zusätzlichen volumen-, wachstums- oder schadenabhängigen Entschädigungen sind untersagt.»

 

Maklerleistungen werden oft nicht korrekt dargestellt

Kompetente Makler leisten einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der beruflichen Vorsorge. Sie analysieren den Markt, konzipieren bedarfsgerechte Vorsorgelösungen für die Kunden, führen Personalorientierungen durch, beraten den Arbeitgeber und die Vorsorgekommissionen und sind erste Ansprechperson für die von ihnen betreuten Kunden und deren Mitarbeitende. Ohne Makler muss die Vorsorgeeinrichtung diese Aufgaben selbst übernehmen. Wäre dies mit offensichtlichen Kostenvorteilen verbunden, würden Vorsorgeeinrichtungen nicht mit Maklern zusammenarbeiten. Mit anderen Worten: Mit einem Courtagenverbot würden die Kosten nicht reduziert oder vermieden, sondern verlagert und erhöht.

Für die Unternehmen herrscht Transparenz

Wie bereits erwähnt, muss der Makler beim ersten Kundenkontakt über die Art und Herkunft sämtlicher Entschädigungen für seine Vermittlungstätigkeit informieren. Die Art und Weise der Entschädigung ist zudem zwingend in einer schriftlichen Vereinbarung zu regeln. Diese ist der Vorsorgeeinrichtung und dem Arbeitgeber offenzulegen. Weiter sind die Bezahlung und die Entgegennahme von zusätzlichen volumen-, wachstums- oder schadenabhängigen Entschädigungen untersagt.

Aus Sicht des SVV ist die zitierte Verordnungsbestimmung, die durch freiwillige Massnahmen der Makler (insbesondere durch den Verhaltenskodex der Swiss Insurance Brokers Association SIBA) ergänzt wird, sinnvoll und ausreichend. Ein Verbot von Maklercourtagen dagegen ist weder zielführend noch im Interesse der KMU.

 

Die Wahlfreiheit der Unternehmen muss bestehen bleiben

Gestützt auf Art. 48k Abs. 2 BVV 2 kann der Kunde das für ihn passende Entschädigungsmodell wählen bzw. mit dem Makler vereinbaren. KMU-Kunden entscheiden sich bewusst mehrheitlich für das Courtagenmodell. Dessen Verbot würde die Wahlfreiheit der Kunden verunmöglichen und damit deren Interessen diametral zuwiderlaufen.

Die Universität St. Gallen (HSG) hat Nutzen und Kosten der unabhängigen Beratung und Vermittlung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber in der beruflichen Vorsorge unter die Lupe genommen. Die dazu verfasste Studie kommt zum Schluss, dass ein Courtagenverbot keine Probleme löst, aber zusätzliche neue schafft: Die Vielfältigkeit von Beratungsangeboten nimmt ab, die Kosten aber nicht. Die beste Lösung bestehe deshalb in der Fortführung des bisherigen Modells der Vertragsfreiheit zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer, wobei punktuelle Verbesserungen hinsichtlich Transparenz, Ausbildung und Haftung zweckmässig sein könnten.

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