Die Altersvorsorge muss stabilisiert und nachhaltig ausgestaltet werden

Fokus12. September 2018

Die Reform der Altersvorsorge ist ein zentrales Zukunftsprojekt für die Schweiz. Die AHV und das BVG müssen rasch finanziell stabilisiert und nachhaltig ausgestaltet werden.

Die Altersvorsorge steht vor grossen Herausforderungen: Die Lebenserwartung steigt, der Nachwuchs fehlt und die Anlagerenditen sinken. Nach der Ablehnung der «Altersvorsorge 2020» in der Volksabstimmung im September 2017 bleibt die Reform der Altersvorsorge zwingend und wird noch dringlicher.

 

Der Bundesrat hat deshalb bereits im Juni 2018 mit dem Vorentwurf zur Stabilisierung der AHV (AHV 21) einen neuen Vorschlag in die Vernehmlassung geschickt. Das Ziel dieser Reform besteht darin, die AHV-Renten zu sichern, das Rentenniveau zu halten und die Finanzen der AHV zu stabilisieren. Aus Sicht des SVV greifen die vorgeschlagenen Massnahmen jedoch zu wenig rasch und gehen zu wenig weit.

Grosse Herausforderungen stehen an

Die steigende Lebenserwartung führt dazu, dass die Renten aus der staatlichen Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV, 1. Säule) und der beruflichen Vorsorge (BVG, 2. Säule) immer länger ausbezahlt werden. In der AHV sinkt die Zahl der Beitragszahler pro Rentenbezüger immer weiter, was zu rasch wachsenden Defiziten führt. Im BVG verstärkt sich die systemfremde Umverteilung von den Berufstätigen zu den Rentenbezügern immer mehr, weil der Umwandlungssatz viel zu hoch ist und die Anlagerenditen sinken.

Reform ist zwingend und dringend

Für den Schweizerischen Versicherungsverband SVV ist die Reform der Altersvorsorge angesichts dessen zwingend, und sie wird immer dringlicher. Diese Reform kann, wie vom Bundesrat vorgesehen, in zwei separaten Teilpaketen erfolgen. Diese Teilpakte müssen jedoch parallel vorangetrieben werden, damit die Gesamtsicht gewährleistet bleibt. Auf einen Abbau oder einen Ausbau ist ebenso zu verzichten wie auf alle Vorschläge, die nicht zur finanziellen Stabilisierung beitragen. So ist denn auch die «Modernisierung» von AHV und BVG zurückzustellen, bis diese finanziell stabilisiert sind.

Stabilisierung von AHV und BVG

In der AHV sind folgende Massnahmen notwendig:

  • Referenzalter 65 für Frauen und Männer
  • Moderate Erhöhung der Mehrwertsteuer

 

Im BVG sind folgende Massnahmen erforderlich:

  • Senkung des Umwandlungssatzes auf 6,0 Prozent
  • Kompensationsmassnahmen
  • Einführung eines Umwandlungssatzbeitrages

Nachhaltige Ausgestaltung der Altersvorsorge

Neben den erwähnten Massnahmen zur Stabilisierung sind Schritte zur nachhaltigen Ausgestaltung von AHV und BVG unumgänglich. Eine nachhaltige und damit langfristig sichere Finanzierung bzw. Ausgestaltung der Altersvorsorge setzt voraus, dass die wichtigen Parameter (Referenzalter, BVG-Mindestzinssatz, BVG-Umwandlungssatz) den realen Gegebenheiten entsprechend festgelegt werden. Der SVV unterstützt deshalb die parlamentarischen Vorstösse zu deren Entpolitisierung.

Sicherheit für KMU

Die im SVV vertretenen Lebensversicherer decken die Risiken von 1,851 Millionen Personen (und damit von fast jeder zweiten Person, die in der beruflichen Vorsorge versichert ist) ab. Sie sind verlässliche Partner für rund 180 000 kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Diese können aus der umfassenden Angebotspalette der Lebensversicherer die für sie passenden Lösungen wählen.

Die Versicherer stehen im Wettbewerb untereinander und mit anderen Vorsorgeanbietern. Der Wettbewerb funktioniert. Er zeigt sich u.a. in unterschiedlichen Kapitalerträgen, Risikoprämien und Überschüssen.

Rahmenbedingungen für die Kollektivlebensversicherung

Die Rahmenbedingungen für die Kollektivlebensversicherung gestalten sich äusserst schwierig. Gründe dafür sind insbesondere

  • die anhaltend tiefen Zinsen, die zu sinkenden Kapitalerträgen führen
  • der Schweizer Solvenztest SST, der die Anforderungen an die Bildung und Erhaltung des Solvenzkapitals massiv verschärft hat

Eine weitere Verschlechterung der Rahmenbedingungen wäre nicht tragbar, weshalb im Rahmen der BVG-Revision auf zusätzliche Restriktionen für die Kollektivlebensversicherung in jedem Fall zu verzichten ist.