Die Schweizer Versicherungswirtschaft hat sich 2008 in einem äusserst volatilen Umfeld gut gehalten und steht solide da. Das Lebensversicherungsgeschäft verzeichnete gegenüber dem Vorjahr ein Wachstum von 2,3%, die Schadenversicherung wuchs um 0,5%. Der Schweizerische Versicherungsverband SVV erwartet, dass die Versicherer aufgrund ihrer hohen operativen Stärke positive Ergebnisse aus dem Versicherungsgeschäft vorweisen werden, die Anlageergebnisse jedoch durch die Finanzmarktkrise beeinträchtigt werden.Zürich, 20. Januar 2009 - Für die private Versicherungswirtschaft war die Finanzmarktkrise mit den äusserst volatilen Kapitalmärkten das prägende Ereignis des Jahres 2008. Entsprechend schwierig gestaltete sich für die Versicherungen das Anlagegeschäft. Demgegenüber stehen aufgrund der hohen operativen Stärke erwartete solide Ergebnisse aus dem Versicherungsgeschäft, ein leichtes Wachstum in der Schadenversicherung, eine Bestätigung der Trendwende zu steigendem Prämienvolumen in der Lebensversicherung und das Ausbleiben von grossen Unwetterschäden.
Aufwärtstrend in der Lebensversicherung hält anDas Lebensversicherungsgeschäft – Kollektiv und Einzelleben – verzeichnete im Jahr 2008 gemäss den Hochrechnungen des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV einen Zuwachs von 2,3% gegenüber dem Vorjahr. Im Bereich Kollektiv-Leben stieg das Prämienvolumen um 2,8%. Damit bestätigt sich die im Jahr 2007 eingeleitete Trendwende in der beruflichen Vorsorge. Die Vollversicherung mit garantiertem Sparprozess wird von den KMU gerade in schwierigen Zeiten als Garant für Sicherheit geschätzt. Weniger stark als die berufliche Vorsorge wuchs das Einzellebengeschäft. Es wies ein Wachstum von 1,1% gegenüber der Vorjahresperiode auf, wobei das Segment der Einzel-Kapitalversicherungen mit Einmalprämien mit 4,2% einen besonders hohen Anstieg verzeichnete. Hier spielte der Effekt der Lebensversicherung als sicherer Hafen für das Ersparte in unsicheren Zeiten eine besondere Rolle. Das gesamte Segment der Einzel-Kapitalversicherung verzeichnete hingegen einen Prämienrückgang von 2,4%. Weiterhin ungebrochen ist der Trend hin zu fondsgebundenen Lebensversicherungen. Sie legten gegenüber der Vorjahresperiode um 8,2% zu.
Verschärfter Wettbewerb bremst Wachstum in der SchadenversicherungIm Geschäftsjahr 2008 ist das Schweizer Schadenversicherungsgeschäft mit 0,5% leicht gewachsen. Im Vorjahr betrug der Anstieg noch 1,2%, im Jahr 2006 lag die Wachstumsrate bei 2,3%. Die weitere Verlangsamung des Prämienwachstums in der Schadenversicherung ist zum grossen Teil auf den verschärften Wettbewerb unter den Versicherungsgesellschaften in einem weitgehend gesättigten Markt zurückzuführen. Das Prämienvolumen in der Motorfahrzeugversicherung verharrte auf dem Vorjahresniveau. Besonders in dieser Sparte haben die Versicherer zunehmend Prämienrabatte gewährt, was auf das Prämienvolumen gedrückt hat. Dagegen verzeichneten die Feuer-, Elementarschaden- und übrigen Sachversicherungen ein Wachstum von 1,9%.
Geschäftsmodell der Versicherer hat sich bewährtTrotz den massiven Verwerfungen an den Finanzmärkten und den damit verbundenen Auswirkungen auf das Anlagegeschäft der Versicherer zog SVV-Präsident Erich Walser eine positive Bilanz für das Jahr 2008:
«Die Versicherungswirtschaft steht heute trotz Finanzmarktkrise enormen Ausmasses solide da. Die vorsichtige Anlagepolitik und das auf langfristige Sicherheit ausgelegte Geschäftsmodell der Versicherer zahlen sich in Zeiten grösserer Verwerfungen aus.» Für das laufende Jahr gab sich Erich Walser vorsichtig optimistisch:
«Hält sich der Druck der Finanzmärkte in überschaubaren Grenzen, so hat der Versicherungssektor gute Aussichten auf eine positive Geschäftsentwicklung.» Klare Absage an die Ausbauwünsche der Suva – Klares JA zur PersonenfreizügigkeitWeiterhin ein zentrales Thema für den SVV bleiben die gesetzlichen Rahmenbedingungen in der beruflichen Vorsorge. Noch immer fehlt für den Mindestzinssatz eine feste Formel. Erfreulich hingegen ist die im Dezember 2008 vom Parlament beschlossene Anpassung des Mindestumwandlungssatzes. Voraussichtlich im Sommer wird die Revision des Unfallversicherungsgesetzes im Nationalrat behandelt werden. Der SVV setzt sich für eine moderne, liberalisierte Sozialversicherung ein und fordert eine klare Abgrenzung zwischen privaten Unfallversicherern und der Suva. Die Ausbauwünsche des Teilmonopolisten lehnt der SVV kategorisch ab. Sie verstossen gegen die Wettbewerbsneutralität und die verfassungsmässig geschützte Wirtschaftsfreiheit. Eine weitere zentrale Gesetzesvorlage für die Versicherungsbranche stellt die bevorstehende Revision des Versicherungsvertragsgesetzes dar (VVG). Das VVG regelt die rechtlichen Beziehungen zwischen Versicherung und Versicherungskunde. Der SVV rechnet damit, dass der Bundesrat den Gesetzesentwurf innert kurzer Frist in die Vernehmlassung geben wird.
Zusammen mit den übrigen Wirtschaftsverbänden befürwortet der SVV die Weiterführung und Ausdehnung der Personenfreizügigkeit. Der bilaterale Weg der Schweiz mit der EU hat sich für die Schweiz bewährt. Die bilateralen Verträge bilden die Basis für die Wahrung der Attraktivität des Versicherungsstandortes Schweiz mit 47‘500 Arbeitsplätzen. Sie gewährleisten zudem die grenzüberschreitende Mobilität von Fachkräften in beide Richtungen.

