Massenkollisionsabkommen hat sich erneut bewährt

Schadenerledigung der Massenkollision vom 6. Januar 2017 auf der A3 in Bilten erfolgreich abgeschlossen.

2003 ereignete sich in der Schweiz eine Massenkarambolage mit 70 Fahrzeugen. Wegen komplexen Schuldfragen und Beweisführungen gestaltete sich die Schadenabwicklung schwierig und dauerte lange. Die Schadenleiterkommission des SVV (SLK) entschied damals, zugunsten der Betroffenen für die Zukunft eine pragmatische Lösung für die komplexe Abwicklung solcher Ereignisse zu erarbeiten. Das Ergebnis ist das Abkommen zur Regulierung von Schäden aus Massenkollisionen. Dem Abkommen können sich alle Versicherungsgesellschaften anschliessen, die in der Schweiz tätig sind. 

Massenkarambolage in Bilten

Im Morgenverkehr des 6. Januars 2017 kam es auf der A3 erneut zu einer Massenkollision mit insgesamt 38 Fahrzeugen. Trotz schönem Wetter bildete sich im Bereich der Unfallstelle plötzlich massiv Nebel und die Sichtverhältnisse waren innert kurzer Zeit stark eingeschränkt. Weil nicht alle Fahrzeuglenker ihre Geschwindigkeit den Umständen anpassten, kam es zu Auffahrunfällen. Es haben sich in derselben Nebelbank zwei nur zufällig voneinander getrennte Mehrfachkollisionen ereignet. Im Interesse der Beteiligten und unter Einhaltung der korrekten Anwendung des Abkommens entschied die SLK, dass dieser Unfall als ein einziges Ereignis zu betrachten sei. Hier zeigt sich die Flexibilität eines Abkommens gegenüber starren Gesetzesnormen.

Sieben Gesellschaften waren involviert. Die am stärksten betroffene Versicherungsgesellschaft stellte innerhalb weniger Stunden einen Leiter für die Task Force, die sich um die Schadenerledigung kümmerte. Über den Leiter Task Force war die Kommunikation zwischen den Gesellschaften von Anfang an einfach und unkompliziert. Die Arbeit konnte zügig aufgenommen werden. 

Mehr als 500'000 Franken Schaden

Die Polizei leistete eine vorzügliche Arbeit. Bereits wenige Tage nach dem Massenunfall erhielt der Leiter der Task-Force von den Behörden die für die Schadenregulierung notwendigen Daten. Die Behörden haben es als sehr positiv erachtet, dass sie sich für die Versicherungsfragen mit nur einem Ansprechpartner auseinandersetzen mussten. Immerhin waren zusätzlich Drittschäden wie Infrastrukturschäden, Feuerwehr- und Rettungsdienstkosten von über 40'000 Franken zu erledigen. Dank dem Abkommen konnte die Abwicklung über eine Zahlstelle schnell und unbürokratisch erledigt werden. 

Die Kosten für die diversen Fahrzeugschäden belaufen sich auf weit über eine halbe Million Franken. Von den 38 beteiligten Fahrzeughaltern unterschrieben nicht weniger als 34 die Einverständniserklärung für die Anwendung des Abkommens. Das war die Voraussetzung, um den Sachschaden auch ohne Vollkaskoversicherung über die Haftpflichtversicherung des eigenen Fahrzeuges erledigen zu können. Offensichtlich überzeugten die Vorteile einer solchen Spezialabwicklung bei Massenkollisionen die Mehrzahl der Beteiligten. Schon nur im Bereich des Sachschadens war die Anwendung des Abkommens sehr sinnvoll und vereinfachte die Regulierung deutlich.

Bis Ende September 2017 wurden 24 Personenschäden gemeldet, wobei zwei Personen schwere Körperverletzungen davontrugen. Die Kosten für die entstandenen Körperschäden lassen sich im Moment noch nicht abschliessend beziffern. Aufgrund von Erhebungen bei den beteiligten Versicherungsgesellschaften darf aber davon ausgegangen werden, dass diese einen sechsstelligen Betrag ausmachen und damit verhältnismässig tief ausfallen werden.

Rasche und unkomplizierte Schadenerledigung

Als erfreuliches Fazit kann festgehalten werden:

  • Das Abkommen hat sich erneut bewährt und war problemlos anwendbar.

  • Die Akzeptanz bei den Betroffenen war breit und die Rückmeldungen durchwegs positiv.

  • Der Verzicht auf Abklärung der Verschuldensfrage hat die Schadenabwicklung enorm beschleunigt. 

  • Die Abwicklung der Kosten über eine Task Force und Verteilung gemäss Abkommen auf die Betroffenen hat sich bewährt und unnötige zusätzliche Abklärungskosten verhindert. 

Dank des Abkommens konnten vor allem die Sachschäden und die übrigen Kosten innerhalb eines halben Jahres erledigt werden, was von hervorragender Effizienz zeugt. Zudem haben einige Versicherte vom Abkommen profitiert, da sie keine Kollisionsversicherung hatten. 

 

Das von der Schadenleiterkommission des SVV (SLK) entwickelte Abkommen ist für Massenkollisionen in jedem Fall sinnvoll, weil langwierige Haftungsdiskussionen entfallen und auch die Unfall-Versicherer von weitergehenden Abklärungen entlastet werden. Die Zusammenarbeit zwischen den Gesellschaften gestaltete sich sehr einfach und die Regeln für Regresse waren klar. Es zeigt sich einmal mehr, dass das Abkommen dank der langjährigen Erfahrung der Schadenleiter eine solide Basis zur Erledigung komplexer Auffahrkollisionen bildet und mehr Flexibilität zugunsten der Betroffenen gewährt als dies ein Gesetz könnte.

 

Letzte Aktualisierung am 30. Oktober 2017