Referat Hansjörg Frei - Medienkonferenz 2003

Hansjörg Frei, Präsident des SVV (bis 11. Juni 2003)

Hansjörg Frei, Präsident des SVV (bis 11. Juni 2003)

Bewegtes Jahr für die Privatversicherer –
Rückblick auf das Jahr 2002

Es gilt das gesprochene Wort

Sehr geehrte Damen und Herren

Ich begrüsse Sie herzlich zu unserem diesjährigen Mediengespräch. Es freut mich sehr, dass Sie unserer Einladung so zahlreich gefolgt sind. Übrigens erstaunt mich Ihr zahlreiches Erscheinen nicht. Die Versicherungswirtschaft, jahrzehntelang als staubtrockene Branche eingestuft, lieferte in jüngster Zeit einigen Stoff für Analysen, Kommentare und Leitartikel im Wirtschaftsteil der Presse und der elektronischen Medien. Weniger Schlagzeilen, weniger Turbulenzen im Marktumfeld, weniger personelle Veränderungen in Verwaltungsräten und Konzernleitungen – wir hätten durchaus nichts dagegen gehabt! Wir hoffen, gelegentlich wieder in ruhigere Fahrwasser einzumünden.

Wir haben vorgesehen, unser heutiges Mediengespräch in vier Teilen abzuhalten. Ich beginne mit einem Jahresrückblick, der auch einige Schätzungen zur Prämienentwicklung im Schweizer Direktgeschäft enthält. Anschliessend wird Herr Josef Bättig, Vorsitzender des Ausschusses Leben, die Frage beantworten, wie es aus unserer Optik in der beruflichen Vorsorge weitergehen sollte. Schliesslich befasst sich Herr Albert Lauper, Vizepräsident des SVV und Präsident der Verbandskommission für Personal- und Bildungsfragen, mit einer Bildungsoffensive der Privatversicherer. Der vierte Teil unserer Veranstaltung ist Ihren Fragen gewidmet.

2002: ein schwieriges Jahr

Meine Damen und Herren

Ich habe vor Jahresfrist, in meinem Rückblick auf 2001, von einem schwierigen Geschäftsjahr gesprochen. Viele Versicherungsgesellschaften – sowohl schweizerische wie ausländische – mussten eines der schlechtesten Ergebnisse ihrer Firmengeschichte ausweisen. Gleichzeitig habe ich in meinem Ausblick auf 2002 einer gewissen Zuversicht Ausdruck gegeben. Sie wissen es: ich habe mich getäuscht. Die Versicherungswirtschaft hat ein noch schwärzeres Jahr hinter sich – sofern man mit Blick auf die Abschlusszahlen nicht von einem roten Jahr sprechen müsste!

Im Sommer 2002 (und schon 2001) sahen wir eine veränderte Mittelallokation der (europäischen) Versicherungsgesellschaften, und zwar in Form eines kollektiven Anpassungsprozesses. Viele Versicherer waren auf Grund der Rechnungslegungsvorschriften gezwungen, in grossem Stil Aktien zu praktisch jedem Preis zu veräussern. Dadurch wurde der Abwärtstrend an den Aktienmärkten noch beschleunigt. Die schwindenden Kurse der zum Marktwert eingestellten Aktien wiederum führten zu sinkendem Eigenkapital der Gesellschaften. Ihre Eigenkapitaldecke verminderte sich zum Teil recht dramatisch. Auch wenn inzwischen Verstärkungen erfolgten, blieben Fragen zur Sicherheit einzelner Gesellschaften nicht aus.

Rechnungslegung

In diesem Zusammenhang ist auf die Anwendung verschiedener Rechnungslegungsstandards in der Versicherungswirtschaft einzutreten. Das Image der Assekuranz wird nicht zuletzt geprägt durch die Kommentierung der Konzernabschlüsse in den Medien sowie der übrigen unterjährigen Berichterstattung. Die Vielfalt der zur Anwendung gelangenden Methoden erschwert die Vergleichbarkeit und führt zu einem Bild, das der Gesamtindustrie kaum gerecht wird. Fallen beispielsweise die Marktwerte von Aktien unter die Anschaffungskosten, so sind sie im Abschluss zu berichtigen. Während das Obligationenrecht für den statutarischen Abschluss das Niederstwertprinzip vorschreibt und damit per Bilanzstichtag eine Abschreibung vorgenommen werden muss (Stichwort erfolgswirksame Buchung), öffnet sich unter IAS ein Ermessensspielraum. Hier muss eine Wertminderung als dauernd eingestuft werden, um das entsprechende Impairment vorzunehmen. Zusätzlich unterscheidet sich die Verbuchung der Wertminderungen je nach Klassifizierung der Wertpapiere. Kaum verwunderlich, dass die unterschiedliche Handhabung von Aktienimpairments das Vertrauen in die Solidität nicht eben fördert. Die Abschlüsse nach verschiedenen Standards sind nicht vergleichbar. Verwirrung ist die Folge. Und zudem: Während die Rechnungslegung auf der Aktivseite die Bewertung marktorientiert führt, verhält sich die Passivseite weniger volatil. Hier basieren die versicherungstechnischen Rückstellungen auf Annahmen, die sich während der Vertragsdauer oder der Leistungserbringung nicht wesentlich verändern, bzw. sich unabhängig von der allgemeinen Börsenlage verhalten. Marktwerte bei den Investments auf der Aktivseite der Bilanz und Festhalten an stabilen Werten auf der Passivseite der Bilanz bewirken, dass das Eigenkapital starken Schwankungen unterworfen ist. Dabei werden rein wirtschaftlich betrachtet ja auch die künftigen Versicherungsleistungen von den sich ändernden Kapitalmarktparametern bestimmt. Wer diesen Zusammenhang unbeachtet lässt, gewinnt einen unzutreffenden Eindruck sowohl von einer einzelnen Gesellschaft als auch von der Gesamtindustrie. Fazit: die Rechnungslegungsprinzipien für Versicherungsgesellschaften sind deren spezifischen Erfordernissen anzupassen. Stichworte hierzu sind: Vergleichbarkeit, Transparenz, Langfristigkeit. Wir sind bereit, mit allen daran interessierten Fachstellen (Treuhandkammer, Aktuarvereinigung, Universitäten usw.) konstruktiv zusammenzuarbeiten. Die Kommission «Rechnungslegung und Berichterstattung» unseres Verbandes befasst sich intensiv mit den komplexen anstehenden Problemen.

Schwachpunkte erkannt

Ohne Zweifel haben Negativmeldungen die Berichterstattungen über das Assekuranzjahr 2002 geprägt. Vieles ist nicht rund gelaufen; mag sein, dass sprudelnde Kapitalgewinne die wahre Fitness einiger Gesellschaften in allzu hellem Licht erscheinen liessen. Manche Beiträge, die von Ihnen oder andern Medienschaffenden veröffentlicht wurden, haben zu Recht auf Fehlleistungen hingewiesen. Kritik, so begründet sie ist, sollte indessen den Blick nicht verstellen. Glauben Sie mir: es gibt in der schweizerischen Versicherungswirtschaft nach wie vor durchaus auch positive Entwicklungen. Die Branche hat Schwachpunkte erkannt, sie hat daraus ihre Lehren gezogen und sie ist gewillt, die grossen Herausforderungen, die sich in den nächsten Jahren stellen werden, anzunehmen.

Lichtblick im Nichtlebengeschäft

Lassen Sie mich auf einige Tendenzen hinweisen, die uns unbeirrt zuversichtlich stimmen. Im schweizerischen Nichtlebengeschäft scheint sich eine Trendwende abzuzeichnen. Die Combined Ratio, die wichtigste Kennzahl für den Geschäftsverlauf, verläuft in etlichen Versicherungssparten recht deutlich nach unten; hier zeigt ein Pfeil nach unten – im Gegensatz zu den meisten Tendenzanalysen – wachsenden Erfolg an. Mit anderen Worten: Das Verhältnis zwischen den Prämieneinnahmen einerseits und dem Schadenaufwand sowie den Kosten anderseits verbessert sich. Diese Entwicklung bedeutet allerdings bei weitem nicht in jedem Fall, dass technische Gewinne erzielt würden. Wenn die Combined Ratio im Industrie-Feuer-Geschäft von einem langjährigen Mittel von 150% auf 120% sinkt, wenn die Relation sich in der Motorfahrzeug-Haftpflicht von 130% auf 110% vermindert, ist das zwar erfreulich. Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass diese Geschäftsparten im heutigen Börsenumfeld und mit dem rekordtiefen Zinsniveau immer noch nicht aus der Verlustzone zu bringen sind. Wobei ich gerne ergänze, dass die Combined Ratio in gewissen Sparten und bei gewissen Gesellschaften die Grenze von 100% nach unten durchbrochen hat. In Branchenanalysen oder in Projektionen gewisser Nichtlebenversicherer wird neuerdings wieder mit einer Marke von 96, 93, ja von 90% gerechnet. Übrigens: auch die Rückversicherer können sich keine Combined Ratio über 100% mehr leisten. Während der Jahre der opulenten Finanzerträge erschien ein konsequent technischer Massstab sowohl im direkten wie im indirekten Geschäft nur allzu oft als quantité négligeable.

Wie lässt sich bei der Combined Ratio ein turn-around erreichen? Man erhöht die Prämien oder man senkt die Kosten und prüft die gemeldeten Schäden noch genauer. Am besten ist es natürlich, wenn sich alle drei Parameter gleichzeitig in die richtige Richtung bewegen. Freilich: unter dem Druck des Wettbewerbs und angesichts betriebswirtschaftlicher Zwänge lässt sich das so einfach nicht realisieren. Was die Prämien Nichtleben betrifft, so hat sich der Aufwärtstrend des Vorjahres 2002 fortgesetzt. Der «soft market» hat sich zu einem «hard market» gewandelt. Wir schätzen die Prämienzunahme im Direktgeschäft auf 4%, d.h. von 17,6 auf 18,3 Mia Franken. Im Vorjahr, also 2001, belief sich die Zuwachsrate Nichtleben Schweiz (unter Ausklammerung der Krankenversicherung von Gesellschaften wie Helsana, Visana, CSS und andern) auf knapp 5%. Ich erinnere daran, dass die Überführung des Krankenzusatzgeschäfts einzelner Krankenkassen von der Sozialversicherungsstatistik in die Privatversicherungsstatistik zu massiven Verzerrungen führt; 2001 stiegen die Krankenversicherungsprämien gemäss BPV-Bericht (also mit den Prämien der «krankenkassennahen» Gesellschaften) insgesamt um 30%! Angesichts der tiefen Inflationsrate, der Stagnation des Sozialprodukts und der hohen Marktsättigung im Versicherungssegment Nichtleben muss eine Zunahme des Beitragsvolumens in der Grössenordnung von 4% mit Anpassungen der Tarife zusammenhängen. Dabei setzen die einzelnen Gesellschaften in ihrer Tarifpolitik zum Teil stark divergierende Akzente, etwa was die Höhe und den Zeitpunkt der Prämienanpassung betrifft, den Kreis der betroffenen Versicherungsnehmer (Bestand/Neugeschäft), die einzelnen Bestandteile einer Police (im Motorfahrzeuggeschäft z. B. Haftpflicht, Voll- oder Teilkasko) usw. usf. Es ist offensichtlich, dass der Druck, die Prämien anzuheben, durch die zunehmende Schadenbelastung in vielen Sparten spürbar gestiegen ist. Vorbei sind eben die Zeiten, da hohe Schadenquoten mit Börsengewinnen schmerzlos auszugleichen waren. Allerdings setzt der intensive Wettbewerb jeder Preisanpassung ihre Grenzen.

Bekämpfung des Versicherungsbetrugs

Eine Bemerkung zur Schadenseite: die schweizerische Versicherungswirtschaft hat in den letzten Jahren ihre Anstrengungen zur Eindämmung des Versicherungsmissbrauchs deutlich verstärkt. Im Verband ist eine Stelle eingerichtet worden, welche sich kontinuierlich und systematisch mit Betrugsfragen befasst und den Kampf der einzelnen Gesellschaften gegen Betrügereien koordiniert. Wir sprechen hier nicht von Bagatellen! Schätzungen gehen davon aus, dass im Nichtlebenbereich – etwa in der Auto- oder der Diebstahlversicherung – wie im Lebenbereich – z. B. in der Invaliditätsversicherung – jährlich hohe Millionenbeträge ungerechtfertigterweise eingestrichen werden. Die Versicherung ist es ihren «anständigen» Kunden schuldig, dass Betrügereien verhindert und damit die Schadenzahlungen im Rahmen der Vertragsbedingungen gehalten werden können.

Optimierung auf Kostenseite

Und die Kosten? In einem höchst kompetitiven Markt ist es nicht einfach, Prämienerhöhungen zu überwälzen. Beim Schadenaufwand sind die Einflussmöglichkeiten begrenzt. So bleibt, will man das Gleichgewicht bewahren, offensichtlich die Kostenseite! Ich habe diesen Punkt in meinen Referaten der letzten Jahre regelmässig thematisiert. Es scheint indessen, dass der Druck, den Kosten drastisch zu Leibe zu rücken, lange nicht gross genug war. Erstmals seit dem Ende des 2. Weltkriegs sieht die Privatassekuranz sich jetzt gezwungen, ihren Personalbestand in der Schweiz zu reduzieren. Die Lage ist in keiner Weise dramatisch – es geht um einen Personalabbau von vielleicht 4%. Aber immerhin: Fokussierung und organisatorische Neuausrichtungen zur Effizienzsteigerung erfordern mitunter schmerzliche Entscheidungen. Im Übrigen ist das Kostenmanagement natürlich eine Daueraufgabe von hoher Priorität. Nicht zuletzt im Bereich der Informatik, auf die bis zu 20% der Verwaltungskosten entfallen, gibt es in vielen Gesellschaften grosse Möglichkeiten, Fortschritte zu erzielen.

Ich bin ausführlich auf die Combined Ratio eingegangen. Sie lag zum Teil während langer Jahre eindeutig zu hoch. Heute zeigt die Tendenz klar nach unten. Das entspricht einer absoluten Notwendigkeit, wenn das Nichtlebengeschäft wieder auf eine technisch gesunde Basis gestellt werden soll. Die Verhältniszahl muss umso tiefer sein, je niedriger das langfristige Zinsniveau und damit der risikofreie Ertrag auf den rückgestellten Kapitalanlagen liegen. Eine Studie der Schweizer Rück hat folgendes ergeben: Sinkt die Anlagerendite um ein Prozentpunkt, so muss die Combined Ratio um 2,6 Prozentpunkte reduziert werden, damit die Rentabilität unverändert bleibt.

Steigende Prämieneinnahmen im Lebengeschäft

Meine Ausführungen zur Entwicklung der schweizerischen Lebensversicherer im abgelaufenen Jahr werden etwas kürzer ausfallen, zumal sich Herr Bättig mit einigen wichtigen Aspekten des Lebengeschäfts befassen wird. Der Verband geht davon aus, dass die Prämieneinnahmen im Jahr 2002 recht deutlich gestiegen sind, wie das auch 2001 der Fall war (Zuwachs 5,3%). Für 2002 gehen wir von einem Plus von 6% aus, d.h. das Prämienvolumen stieg von 33,1 auf 35,1 Mia Franken. Die Probleme, mit denen einige Lebensgesellschaften zu kämpfen haben und von denen im abgelaufenen Jahr ausgiebig die Rede war, führen nicht automatisch zu einer Reduktion der Beitragseinnahmen. Zudem wird der – freiwillige oder unfreiwillige – Rückgang des Prämienvolumens bei einzelnen Lebensversicherern durch erhöhte Einkünfte anderer Gesellschaften ausgeglichen oder gar überkompensiert. Trotz des schleppenden Wirtschaftsgangs haben verschiedene Lebensversicherungsprodukte – z. B. die klassische gemischte Versicherung, sowohl mit periodischen Prämien wie mit Einmaleinlagen – nichts von ihrer Anziehungskraft eingebüsst. Freilich hängt das zum Teil auch mit den wenig attraktiven Alternativen zusammen. Das Vertrauen der Anleger in die Aktienmärkte ist noch keineswegs wieder hergestellt, und die langfristigen Zinsen haben sich auf einem rekordtiefen Niveau eingependelt. Viele Lebensversicherer zogen Nutzen aus einer Situation, die verschiedentlich mit «Anlagenotstand» umschrieben worden ist. Denn an liquiden Vermögenswerten, die eine Anlage suchen, besteht kein Mangel.

Allerdings stellen wir bei unseren Mitgliedgesellschaften höchst unterschiedliche Geschäftsstrategien und damit auch einen divergierenden Prämienverlauf fest. Einige Lebensversicherer haben sich, wie Sie wissen, völlig aus dem Kollektivbereich verabschiedet. Andere zeichnen nur noch auf kleinster Sparflamme. Der Mindestzinssatz wird vom Schweizerischen Versicherungsverband, trotz der bundesrätlichen Senkung, nach wie vor als zu hoch eingestuft. Und der Umwandlungssatz steht in krassem Widerspruch zur Realität der kontinuierlich steigenden Lebenserwartung. Es wird interessant sein, in den Geschäftsberichten zu analysieren, welche Verschiebungen sich ergeben haben zwischen Einzel- und Kollektivleben, aber auch innerhalb dieser Kategorien, z. B. was das Einmaleinlagengeschäft oder die fondsgebundenen Produkte betrifft. Generell bin ich überzeugt, dass die Privatassekuranz auch in Zukunft sowohl in der 2. Säule wie in der 3. Säule eine tragende Rolle spielen wird. Innerhalb des Verbands befassen wir uns in verschiedenen Arbeitsgruppen intensiv mit den komplexen Vorsorgefragen, die sich in einer alternden Gesellschaft stellen. Insgesamt erhöhte sich das Prämienvolumen im Direktgeschäft Schweiz im 2002 von 50,7 auf 53,4 Mia Franken.

Ausblick

Meine Damen und Herren

Ich habe auf einige Punkte hingewiesen, die im Rückblick auf 2002 durchaus positiv stimmen können. Dennoch werden die Abschlüsse unserer Mitgliedgesellschaften unerfreulich, schlecht oder miserabel ausfallen. Ich habe darauf hingewiesen, dass u. a. die Zusammensetzung der Kapitalanlagen, besonders die Aktienquote, daneben aber auch die jeweilige Spezifität der Rechnungslegung, insbesondere natürlich in Bezug auf die Abschreibungen, zu erheblichen Abweichungen führen können. Unabhängig davon bleibt die unerfreuliche Tatsache, dass 2002 vor allem als Folge der weiter gesunkenen Aktienkurse und der noch tieferen Zinsen für die Schweizer Privatassekuranz ein sehr schwieriges Geschäftsjahr war. Dabei weisen etliche Gesellschaften in verschiedenen Versicherungssparten ansprechende, ja gute versicherungstechnische Ergebnisse aus.

Was das eben angelaufene Jahr 2003 betrifft, sehen wir uns nach wie vor mit beträchtlichen Problemen konfrontiert, speziell was die Perspektiven der Finanzmärkte betrifft. Trotzdem wäre eine Dramatisierung der Lage verfehlt. Die Aufsichtsbehörde attestiert der Schweizer Assekuranz eine ausreichende Solvenz, auch wenn das Eigenkapital insgesamt stark geschrumpft ist. Die im Sommer 2002 von Frau Bundesrätin Metzler eingesetzten Gutachter, die die Positionierung und die personellen Ressourcen des BPV sowie das gesetzliche Umfeld der Aufsicht über die Privatversicherer zu beurteilen hatten, orten in ihrer Beurteilung allerdings einen erheblichen Handlungsbedarf im Rahmen der Versicherungsaufsicht. Die heutige Regelung der Aufsicht im Bereich der Solvabilität ist weitgehend überholt. Wir teilen die Auffassung, dass die Aufsicht mit zeitgemässeren Methoden ein dynamischer Prozess werden muss. Dies hat uns die Entwicklung der Börse in den letzten zwei Jahren in aller Deutlichkeit vor Augen geführt: die auf ein Jahresende hin vorgenommene Aufnahme des finanziellen Zustands einer Unternehmung kann sich infolge rasanter Entwicklung des Finanzmarktes sehr schnell ändern, was entsprechende Methoden zur Nachbeurteilung erforderlich macht. Es liegt im Interesse auch der Versicherungswirtschaft, dass sie von einer starken, mit den erforderlichen Ressourcen ausgestatteten Institution beaufsichtigt wird. Bei der Neuordnung der Versicherungsaufsicht sind wir im vergangenen Jahr wiederholt dafür eingestanden, dass das erforderliche Fachwissen für die Beaufsichtigung gepflegt wird und in einer neu gestalteten Finanzmarktaufsicht nicht zu kurz kommt.

Man vergisst leicht, dass bei vielen Versicherungsunternehmen die Solvenzmargen heute zwar deutlich tiefer sind als vor drei bis fünf Jahren; sie sind aber nach wie vor auf dem Niveau der frühen Neunzigerjahre, als niemand von einer katastrophalen Lage sprach! Es ist in der Schweiz zu keinen Konkursen gekommen, und die Ansprüche der Versicherten sind gewährleistet – glücklicherweise. Die Unternehmensleitungen haben, teilweise in veränderter Formation, zumeist rasch geschaltet und neue Prioritäten gesetzt. Insgesamt hat die schweizerische Versicherungsindustrie in den äusserst schwierigen Jahren 2001 und 2002 eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Die Schweizer Privatassekuranz verdient auch weiterhin Vertrauen.

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Letzte Aktualisierung am 20. April 2012