Neues Aufsichtssystem hat Folgen für Kapitalmarkt

Als Instrument der Versicherungsaufsicht misst der Swiss Solvency Test SST die Risikofähigkeit von Versicherern und ermittelt, wie viel Kapital sie halten müssen, um mit ausreichender Sicherheit solvent zu sein. Diese Vorschriften haben nicht nur Folgen für die Versicherungsbranche, sie werden auch erhebliche Auswirkungen auf den Schweizer Kapitalmarkt haben, sagen Experten der Universität St. Gallen.

Zürich, 4. Dezember 2006 – Der Anfangs Jahr in Kraft getretene Swiss Solvency Test SST ist eine Neuerung in der Versicherungsaufsicht mit entsprechenden Folgen für die Volkswirtschaft und für den Versicherungssektor. Die Versicherer werden im Rahmen der risikoorientierten Solvenzanforderungen ihre Kapitalanlagepolitik verändern, was wiederum spürbare Auswirkungen auf den Schweizer Kapitalmarkt haben wird. So sind in den kommenden Jahren beispielsweise Umschichtungen in langfristige Anleihen und eine flache Zinsstruktur auf dem heimischen Kapitalmarkt zu erwarten.

Auch in der Gestaltung von Versicherungsprodukten wird es Veränderungen geben: In der Lebensversicherung ist etwa eine Entwicklung hin zu modularen Produkten zu erwarten. In diesem Fall könnte es sein, dass insbesondere kapitalintensive Produktkomponenten wie Optionen weniger häufig in langlaufenden Altersvorsorgeverträgen vorkommen werden.

Diese Folgen des Solvenztests beschreibt die Studie «Volkswirtschaftliche Implikationen des Swiss Solvency Test», die unter der Leitung von Prof. Dr. Hato Schmeiser, Direktor des Instituts für Versicherungswirtschaft der Universität St. Gallen, durchgeführt wurde. Die Ergebnisse der Studie wurden heute an einer Medienkonferenz des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV präsentiert.

Der Schweizer Solvenztest ist ein wichtiges Instrument der Aufsicht, denn auch Versicherer sind Risiken ausgesetzt: Häufigere Unwetterkatastrophen, die demographische Entwicklung, krisenhafte Finanzmärkte oder Terroranschläge können Fragen zur Solvabilität von Versicherungsgesellschaften aufwerfen. Die Bewältigung dieser Risiken hat zu Diskussionen über den Versichertenschutz geführt und aufgezeigt, dass das bisherige Solvenzmodell den Anforderungen nicht mehr genügte. Diesem veränderten Umfeld wird nun mit dem vorausblickenden Ansatz des SST begegnet: Der Swiss Solvency Test errechnet die Risikofähigkeit einer Versicherungsgesellschaft und vergleicht sie mit dem Kapital, das der Versicherer benötigt, um die Risiken, denen er ausgesetzt ist, mit hoher Sicherheit zu decken. Dieses so genannte Zielkapital müssen die Privatversicherungen bis zum Jahr 2011 aufbauen.

Die Autoren haben festgestellt, dass die Auflagen des SST kaum Auswirkungen auf die Unternehmensfinanzierung von Versicherungsgesellschaften haben werden. Dies liegt an der guten Kapitalisierung von Schweizer Versicherungen. Allerdings zeigt der Solvenztest, dass die Wettbewerbssituation von kleinen und mittelgrossen Versicherern schwieriger ist, als jene von grossen Gesellschaften. Die Experten führen das auf die häufig fehlenden Diversifikationsmöglichkeiten von kleineren Versicherern zurück. In welchem Ausmass der neue Solvenztest diese Wettbewerbssituation beeinflusst, hängt allerdings von der Kapitalausstattung der Unternehmen ab sowie von den Möglichkeiten der Ausgestaltung eigener Modellansätze zur Berechnung der Kapitalerfordernis.

Nach Testläufen im Jahr 2005 ist der Swiss Solvency Test mit dem revidierten Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) und der zugehörigen Ausführungsverordnung (AVO) am 1.1.2006 in Kraft getreten. Der Swiss Solvency Test entspricht dem Projekt Solvency II der Europäischen Union.

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