Für Harmonisierung der Aufsichtssysteme in Europa

In der Schweizer Botschaft in Berlin haben sich heute Vertreter aus Assekuranz, Aufsicht, Politik und Wissenschaft aus Deutschland und der Schweiz getroffen. Die schweizerische Versicherungswirtschaft will sich verstärkt für die Schaffung und Weiterentwicklung von international anerkannten Standards einsetzen. Von zentraler Bedeutung ist die gegenseitige Anerkennung der Aufsichtssysteme.

Berlin, 6. März 2007 – Der Schweizer Botschafter Christian Blickenstorfer in Berlin hat heute in der Residenz der Botschaft Vertreter aus Wirtschaft und Politik aus Deutschland und der Schweiz zu einer Diskussion über die schweizerische Versicherungswirtschaft im internationalen Umfeld begrüsst. Im Zentrum standen Fragen zur Versicherungsaufsicht im internationalen Kontext sowie die Auswirkungen der neuen Solvenzregime «Swiss Solvency Test» und «Solvency II» auf europäischer Ebene.

Die Versicherungsmärkte der Europäischen Union (EU) sind für die Schweizer Versicherungsgesellschaften von grosser Bedeutung, so wie auch die Schweiz für europäische Versicherer ein attraktiver Markt ist. Erich Walser, Vizepräsident des Schweizerischen Versicherungsverbandes (SVV), betonte deshalb in seinem Referat, dass über die Grenzen hinaus anerkannte Standards geschaffen und weiterentwickelt werden müssten. Er unterstrich die Bereitschaft der Schweizer Privatassekuranz, ihren Beitrag hierfür zu leisten: «Die Schweizer Versicherungsindustrie ist bestrebt und bereit, in Gremien der EU für die Weiterentwicklung günstiger Rahmenbedingungen im europäischen Versicherungsmarkt mitzuarbeiten.» Ein zentrales Anliegen für die Schweizer Versicherungswirtschaft ist die gegenseitige Anerkennung der Aufsichtssysteme. Walser verwies auf das neue Aufsichtskonzept der Schweiz, das zu den strengsten in Europa zähle.

Monica Mächler, Direktorin des Bundesamtes für Privatversicherungen, präsentierte die schweizerische Versicherungsaufsicht im internationalen Kontext. Sie verwies im Speziellen auf das Projekt der Integration der Aufsichten über Versicherungen und Banken in eine Gesamtbehörde FINMA, die am 1. Januar 2009 operativ werden könnte. Im internationalen Kontext mass die BPV-Direktorin der gegenseitigen Anerkennung äquivalenter Aufsichtsregime grosse Bedeutung zu. Die Voraussetzungen der Anerkennungsfähigkeit der schweizerischen Gruppenaufsicht im Ausland betrachtete sie als erfüllt.

Neues Solvenzregime bietet Chancenpotential

Kernstück der Versicherungsaufsicht ist der Schweizer Solvenztest. Er stellt sicher, dass Versicherungsunternehmen die eingegangenen Risiken mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit tragen können. Markus Hongler, Vorstandsmitglied SVV und CEO Zurich Schweiz, bewertete das neue Regime als eines der am besten entwickelten Aufsichtssysteme in Europa. Wichtig sei nun eine weitere Harmonisierung mit dem Aufsichtssystem der EU. Hato Schmeiser, Direktor des Instituts für Versicherungswirtschaft der Universität St. Gallen, machte im frühzeitigen Übergang zur risikobasierten Aufsicht ein grosses Chancenpotential für die Schweizer Versicherungsbranche aus.

Schweizer Versicherungssysteme mit internationaler Ausstrahlung

Mit dem Drei-Säulen-System in der Altersvorsorge und der schweizweiten Versicherung gegen Naturkatastrophen verfügt die Schweiz über zwei bewährte Versicherungssysteme mit internationaler Ausstrahlung. Martin Strobel, Vorstandsmitglied des SVV und CEO Basler Schweiz, charakterisierte das Drei-Säulen-System als eines der modernsten und zukunftsfähigsten Systeme der Altersvorsorge. Die drei Säulen müssten jedoch an die Alterung der Gesellschaft und damit an neue Kundenbedürfnisse angepasst werden. Insbesondere die dritte Säule müsse mit weiteren Steuervorteilen erweitert und mit der Einführung einer Pflegeversicherung ergänzt werden.

Die Leistungsfähigkeit der Schweizer Elementarschadenversicherung zeigte Urs Berger, Vorstandsmitglied SVV und CEO Mobiliar, am Beispiel der Naturkatastrophe vom August 2005 in weiten Teilen der Schweiz auf. Die Privatversicherer hätten mit der Zahlung von Schäden in der Höhe von 1,3 Milliarden Franken einen sehr raschen Wiederaufbau ermöglicht. Angesichts des Klimawandels bleibe die Deckung von Naturkatastrophenschäden eine stete Herausforderung für die Versicherungswirtschaft.

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