Europäische Herausforderung für Schweizer Versicherungen

In Brüssel ist heute vor einem internationalen Publikum über die Stellung der Schweizer Privatassekuranz in Europa diskutiert worden. Hochrangige Branchenvertreter setzten sich für die Weiterentwicklung einer starken, marktfreundlichen europäischen Regulierung und die gegenseitige Anerkennung der Versicherungsaufsichten ein.

Brüssel, 17. Oktober 2006 – Der Schweizer Botschafter Bernhard Marfurt hat heute in der Schweizer Mission in Brüssel Vertreter aus Wirtschaft und Politik zu einem Gedankenaustausch über die Stellung der Schweizer Versicherungswirtschaft in der Europäischen Union (EU) begrüsst. Vor einem internationalen Publikum haben hochrangige Vertreter der Versicherungswirtschaft aufgezeigt, welche Bedeutung die EU für die Schweizer Assekuranz hat und welche Rolle diese in der EU wahrnimmt. Sie setzten sich für die gegenseitige Anerkennung der Aufsichten ein und forderten für eine wettbewerbsfähige europäische Versicherungswirtschaft eine starke und marktfreundliche Regulierung.

Zu den 20 grössten Versicherungsgruppen in Europa gehören gleich vier Unternehmen aus der Schweiz. Über 70% des Prämienvolumens der Schweizer Privatassekuranz werden im Ausland generiert. Mehr als 40% davon entfallen auf die EU. Zudem greift heute die Regulierung im Versicherungsbereich international stark ineinander. So etwa beim Schweizer Solvenztest und dem europäischen Gegenstück Solvenz II.

Schweizer Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit auf europäischer Ebene

Albert Lauper, Präsident des Schweizerischen Versicherungsverbandes, betonte denn auch, dass für eine wettbewerbsfähige europäische Versicherungswirtschaft über die Grenzen hinaus international anerkannte Standards und Regulierungen geschaffen und weiterentwickelt werden müssen. An die Repräsentanten der EU gewandt sagte Albert Lauper: «Die Schweizer Versicherungswirtschaft ist bereit, in der Europäischen Union für die Weiterentwicklung günstiger Rahmenbedingungen im europäischen Versicherungsmarkt mitzuarbeiten». Der SVV-Präsident wies darauf hin, dass die Schweiz ein grosses Interesse an der Entwicklung des internationalen Wettbewerbs habe: «Die Versicherungsmärkte in der EU sind für die Schweizer Gesellschaften von grosser Bedeutung, so wie auch die Schweiz für europäische Versicherer ein attraktiver Markt ist».

Den Wettbewerbsvorteil einer überlegenen Regulierung nutzen

James J. Schiro, CEO Zurich Financial Services, strich in seiner Rede hervor, dass Europa auf gutem Weg sei, eine überlegene Regulierung zu schaffen. «Das gibt den europäischen Versicherern einen Wettbewerbsvorteil im globalen Markt und liegt im Interesse gerade auch der Kunden». Zugleich sah er die Gefahr einer Benachteiligung von schweizerischen Konzernen in der Europäischen Union. Aber das lasse sich nicht vertreten, «denn die Aufsichtsrichtlinien des Bundesamts für Privatversicherungen gehören zu den strengsten in Europa, und das im Parlament diskutierte Gesetz für eine integrierte Finanzmarktaufsicht hält alle europäischen Standards ein oder übertrifft sie sogar». Schiro setzte sich darum mit Nachdruck für das Prinzip der gegenseitigen Anerkennung unter Einschluss des Bundesamts für Privatversicherungen ein.

Solvenz II wird zu wirksamen Risk-Management-Prozessen und angemessener Regulierung führen

Agostino Galvagni, Mitglied der Geschäftsleitung und Head of Globals & Large Risks bei Swiss Re, erklärte, dass die Europäische Union ein Hauptmarkt für Swiss Re sei. Er betonte, dass Swiss Re die Umsetzung von Solvenz II befürworte, da ein risikobasiertes Solvenzsystem die Einführung eines wirksamen Risiko-Managements sowie einer strengeren Regulierung fördere. Insbesondere solle man die Diversifikation und Massnahmen zur Risikoreduzierung wie derivative Finanzinstrumente, Rückversicherung und Verbriefung gebührend berücksichtigen.

Auf dem Podium diskutierten anschliessend Elemér Tertak (Director of the Directorate Financial Institutions European Commission, DG Internal Market Services), Agostino Galvagni (Swiss Re), Bruno Pfister (CEO International, Swiss Life), Dieter Wemmer (CEO Europe General Insurance, Zurich Financial Services).

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