Die Schweizer Versicherungswirtschaft blickt auf ein insgesamt gutes Jahr zurück – trotz schwierigen Marktbedingungen. Das Prämienvolumen in der Kollektiv-Lebensversicherung wuchs 2010 so stark wie seit Jahren nicht mehr. Auch die Schadenversicherung legte weiter zu und profitierte von einem günstigen Schadenverlauf. Der Schweizerische Versicherungsverband erwartet allgemein gute Ergebnisse aus dem operativen Geschäft.
Zürich, 28. Januar 2011 – Die Schweizer Privatversicherer sind in guter Verfassung und dürften in den kommenden Wochen gute bis sehr gute Abschlüsse ihres operativen Geschäfts vorlegen. Die Versicherer haben grosse Anstrengungen unternommen, ihr Kerngeschäft weiter zu verbessern, ihre Profitabilität zu erhöhen, ihr Risikomanagement weiter zu verfeinern und ihre Kapitalbasis zu stärken. Zudem dürfte die Schadenbelastung unter dem mehrjährigen Durchschnitt liegen, was sich positiv auf die Erfolgsrechnungen der Versicherungsgesellschaften auswirken wird.
Das Prämienvolumen der gesamten Schadenversicherung hat sich 2010 wiederum leicht positiv entwickelt: über alle Gesellschaften und Sparten stieg es um 0,4%. Dieses Wachstum liegt allerdings etwas unter dem Durchschnitt der Vorjahre, was ein untrügliches Zeichen ist für eine zunehmende Verschärfung des Wettbewerbs in einem weitgehend gesättigten Markt.
In der Motorfahrzeugversicherung stieg das Prämienvolumen ebenfalls um 0,4%, während die Unfallversicherung ein Wachstum von 2,9% verzeichnete.
Trotz äusserst schwierigen Marktbedingungen mit rekordtiefen Zinsen und anhaltenden Unsicherheiten an den Finanzmärkten hat das gesamte Schweizer Kollektiv- und Einzel-Lebensversicherungsgeschäft 2010 ein Prämienvolumen von insgesamt fast 30 Milliarden Franken erreicht – rund 1,4% mehr als ein Jahr zuvor.
In der Kollektiv-Lebensversicherung nahm das Prämienvolumen 2010 um 4,2% zu. Damit haben die Schweizer Lebensversicherer in dieser Sparte die höchste Wachstumsrate der vergangenen acht Jahre erzielt. Das Vollversicherungsmodell der Lebensversicherer gibt KMUs die nötige Sicherheit und das gute Gefühl, selbst bei gravierenden und länger anhaltenden Verwerfungen an den Finanzmärkten nicht auch noch zur Sanierung einer in Unterdeckung geratenen Pensionskasse beitragen zu müssen.
Das Prämienvolumen in der Einzel-Lebensversicherung dürfte im vergangenen Jahr rund 4,5% geschrumpft sein. Allerdings wies das Jahr 2009 mit +7,5% ein eher starkes Wachstum aus, was den Prämienrückgang im Jahr 2010 etwas relativiert. Einen regelrechten Einbruch (-9,8%) erlitt aber die Einzel-Lebensversicherung mit Einmalprämien. Gerade in Zeiten anhaltend tiefer Zinsen wird die schädliche Wirkung der Stempelsteuer auf diese Art der Altersvorsorge deutlich: Eine Abgabe von 2,5% der Einmalprämie hemmt die Nachfrage nach solchen Produkten beträchtlich.
Der Trend von der traditionellen Kapitalversicherung hin zur fondsgebundenen Lebensversicherung hält weiterhin an. Im gesamten Einzel-Lebensversicherungsgeschäft machen die fondsgebundenen Versicherungen bereits über 35% des gesamten Prämienvolumens aus. Bei den fondsgebundenen Lebensversicherungen mit Einmalprämien stieg das Prämienvolumen um 8,2%, bei den fondsgebundenen Lebensversicherungen mit periodischen Prämien um 3,2%.
Grossschadenereignisse wie zum Beispiel Naturkatastrophen blieben 2010 aus. Die Combined Ratio – das heisst der kombinierte Schaden-Kosten-Satz – dürfte allgemein deutlich unter 100% liegen, teilweise sogar deutlich unter 90%. Die Versicherungsgesellschaften verdienen in ihrem Kerngeschäft Geld und brauchen es nicht mit Kapitalerträgen zu subventionieren – was derzeit bei einer vorsichtigen Anlagepolitik, wie sie die Versicherer verfolgen, ohnehin nicht ganz einfach wäre. Allfällige Überschüsse aus den Kapitalanlagen können sie so zum Beispiel zur Stärkung ihrer Bilanzen einsetzen.
Die Schweizer Privatversicherer sind also insgesamt gut unterwegs und können zuversichtlich ins neue Jahr blicken.